Auf Ratschläge hören…

Einer meiner wenigen Stammleser auf meinem noch jungen Blog -vielleicht sogar der Einzige?- und auch sehr regelmäßiger Kommentargeber ist Matthias (der auch einen eigenen Laufblog hat). Wegen dem 10 Kilometer Waldlauf welchen ich Ende Juni in Angriff nehmen will und noch Probleme mit den Steigungen habe hat er mir geraten einfach mal einen Berg hochzulaufen. „Höhenmeter und Berglaufen seien da sehr effektiv“ hat er geschrieben und so hatte ich es mir fest vorgenommen auf diesen Ratschlag zu hören und auch die eine oder andere größere Steigung in mein Training mit aufzunehmen.

Heute habe ich es das erste Mal realisiert. Zuerst ins Tal hinunter (wenn man wirklich Hoch hinaus will muss man erstmal richtig nach Unten) um dann im Tal am Fluss entlang zu laufen. Nach einer Stunde und 10 Kilometern bin ich an der geplanten Steigung um ein paar Höhenmeter (Start bei 300 Meter, höchster Punkt bei 550 Meter) auf 3 Kilometern Distanz zu trainieren.

Schon zu Beginn merke ich wie mein Puls über 160 jagt und ich ihn auch kaum herunterbekomme. Geschwindigkeit herausnehmen ist kaum möglich, ich würde dann nur noch auf der Stelle springen. Es kann nicht sein, dass ich gleich zum Anfang aufgebe. Da beiße ich mich durch, wäre doch gelacht wenn ich es nicht schaffe. Nach einigen Minuten fühle ich mein linkes Knie, irgendwas passt da wohl nicht. Aber so schlimm wird es nicht sein, doch ein wenig Geschwindigkeit herausnehmen aber weiterlaufen.

Nach elf Minuten gebe ich mich dem Berg geschlagen. In der Zeit bin ich etwas über eineinhalb Kilometer gelaufen. Aber mein Knie fühlt sich komisch an, es ist einfach sinnlos und wäre grob fahrlässig etwas zu riskieren. Ich gehe fünf Minuten, mein Puls beruhigt sich und ich beginne wieder zu laufen. Genau jetzt kommt eine kurze, dafür aber umso steilere Passage. Aber ich habe mich ja gerade erholt also jogge ich langsam hoch. Keine gute Idee. Als ich oben angekommen bin fühle ich mich restlos kaputt. Die nächsten zehn Minuten gehe ich wieder.

Das Training für heute ist schon längst abgehakt. In den nächsten Wochen wird es wohl noch das eine oder andere Bergtraining bedürfen. Bringt bestimmt mehr als kleine Steigungen welche ich hier und da in der Streckenplanung einkalkuliere oder akzeptiere.

So langsam zieht der Himmel komplett zu und es ist sehr dunkel geworden. Wirklich froh bin ich gerade nur über die Tatsache, dass es in den letzten 90 Minuten nicht geregnet hat. Langsam jogge ich bis nach Hause, dehne mich noch. Nach 15 Kilometern in 1:37 Stunden habe ich irgendwie genug.

Besonders genug von der Erkenntnis, dass dieser Weg kein leichter sein wird, wie Xavier Naidoo es mal gesungen hat.

Das Waldbild ist von Joachim Müller aus FlickR.

Ein Gedanke zu „Auf Ratschläge hören…“

  1. Hi Ruben!

    Aller Anfang ist schwer, wie der Volksmund ganz richtig anmerkt… 😉
    Wobei du natürlich auch gleich recht ambitioniert gestartet bist – 3 km mit einer Durchschnittsteigung von etwas über 8%, das ist schon sehr ordentlich.

    Grundsätzlich ist es so, dass das Laufen am Hang einen anderen Rhythmus erfordert als das Laufen im Flachland – am Berg empfiehlt es sich, die Schrittlänge deutlich zu reduzieren und das Tempo ggf. rein über die Schrittfrequenz zu steuern (lange, auslandene Schritte wie man sie in der Ebene machen kann, sind hingegen Gift, das hält man nicht lange durch).
    Diese Umstellung ist nicht immer ganz leicht, besonders wenn man schon ein paar Flachlandkilometer zurückgelegt hat und schon ganz im Flachlandrhythmus drin ist, da muss man dann oft sehr bewusst drauf achten, kürzere Schritte zu machen und den Rücken gerade zu halten (deswegen hab´ ich meine Steigungen gerne am Anfang der Tour, denn die Umstellung vom Berg aufs Flachland fällt – zumindest mir – viel leichter).

    Wenn du in den ersten 11 Minuten 1,5 oder 1,6 km geschafft hast, bist du immer noch einen Schnitt von etwas über 8 km/h gelaufen, das ist nicht superschnell, aber für den Anfang doch schon recht zügig, ein bisschen weniger Tempo wäre da also vielleicht gar nicht so schlecht gewesen – einfach immer dran denken, am Berg wird man zwangsläufig langsam, und zumindest wenn man gerade erst mit dem Training anfängt muss man sich ja nicht auch noch zusätzlich antreiben (da reicht erstmal das Hochkommen 😉 )
    Noch etwas weniger Tempo wäre wahrscheinlich auch für den Puls ganz gut gewesen, da ist der Trick eben, höchstens knapp am roten Bereich aber immer kontrolliert zu laufen. Das ist aber zum Teil ein Erfahrungswert, der sich mit der Zeit einstellt.

    Ein bisschen Sorgen macht mir ja das Knie, auch deshalb weil gerade bergauflaufen ja eigentlich relativ gelenkschonend ist (weil die Schritte ja kürzer und nicht so hoch sind, und dementsprechend Erschütterung und allgemeine Belastung geringer ausfallen. Beim Bergablaufen ist das übrigens anders,, das kann die Gelenke bös belesten, ein weiterer Grund, auch da nicht sofort loszusprinten…)
    Vielleicht auch wieder etwas zu große Schritte?
    Solltest du auf jeden Fall im Auge behalten,

    Und schließlich: „Sich dem Berg geschlagen geben“.
    Das ist überhaupt keine Schande, sondern im Gegenteil durchaus vernünftig, gerade wenn´s „nur“ ein Trainingslauf ist.
    Ein kleines Päuschen zwischendurch ist da überhaupt nicht schlimm, das mach´ ich auch gerne mal, vor allem wenn sich´s mit einem schönen Ausblick, einer interessanten Beobachtung am Wegesrand, oder meinetwegen auch nur einmal Schuhebinden verbinden lässt (wenn man einen Grund hat fällt´s oft leichter… 😉 ).
    Allerdings sollte man darauf achten, die Pause nicht unbedingt so zu machen, dass man dann gleich an einer extremen Steigung wieder starten muss, das kann nämlich verdammt anstrengend sein.
    Lieber noch die Extremsteigung mitnehmen und dann hinterher verschnaufen…

    Zusammenfassend:
    – Langsam
    – Schritte kurz
    – Rücken gerade
    – Angestrengt aber kontrolliert
    – und vor allem: Geduld. Das wird nicht von heut´ auf morgen sondern dauert schon mal ein Weilchen. Wobei´s eben nicht nur eine Frage der Physis ist, sondern auch viel mit der Lauftechnik zu tun hat. Aber das kommt schon noch.

    Vielleicht noch ein letzter Tipp: Es kann helfen, wenn man die Bergläufe nicht „nur“ als Training begreift, sondern sie bewusst zu einem Erlebnis/kleinen Ereignis macht – also nicht einfach nur als Selbstzweck die Hänge hoch, sondern irgendwohin wo´s schön ist – zu einer Burg oder Ruine, einem Aussichtspunkt, oder einfach nur mal über den unbekannten Bergkamm um zu sehen, was dahinter ist.
    Das macht´s interessanter und lenkt von den Problemchen ab… 😉

    Kriegste hin! 🙂

    Gruß

    Matthias

    PS: Hm, ich glaub´ mein Kommentar ist jetzt irgendwie länger als dein Eintrag geworden. Sorry, da ist wohl die Schwafelei wieder mit mir durchgegangen…

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