Halbmarathon Kandel – Angriff auf die PB

Seit 5 Jahren und 11 Monaten steht meine HM-Bestzeit bei 1:28, gelaufen beim Solitudelauf in Gerlingen bei Stuttgart mit einem negativen Höhenprofil.

Zwei Versuche danach scheiterten – das erste Mal vereitelt durch die Deutsche Bahn in Karlsruhe und das zweite Mal als ich in Stuttgart bei KM15/16 hoch ging.

Aller guten Dinge sind drei und so ging es vergangenen Sonntag mit Teamkollegen in die Pfalz nach Kandel. Neben dem Termin fiel die Entscheidung für den Lauf auch durch seinen Ruf durch das extrem flache Profil sehr schnell zu sein.

Die Vorbereitung war durchwachsen. Hervorragende Einheiten gab es ebenso wie eine mehrtägige Pause wegen Knieschmerzen, welche ich nach einem Tipp mit Gymnastik wieder recht gut in den Griff bekommen habe da die Ursache höher, im Beckenbereich, lag.

Am Wettkampftag schon auf der Hinfahrt von meiner Seite das große Gejammer. So richtig gut fühle ich mich nicht, Phantomschmerzen überall, der Himmel ist grau und vielleicht regnet es doch und die Temperaturen knapp unter 10° Grad machen die Entscheidung ob kurz/kurz oder kurz/lang auch nicht ganz einfach. Die Angst, ein drittes Mal auf den 21.1 Kilometern krachend an der eigenen Bestmarke zu scheitern ist immer im Hinterkopf.

Einlaufen, im Startbereich einsortieren. Keine Musik, kaum hörbare Moderation – wie wir nach dem Rennen mitbekommen ist die Anlage kurz vor dem Start abgeraucht – und schon kommt der Startschuss. Mein ganz großes Glück: Mit Michael und Dietmar habe ich zwei ganz erfahrene und starke Läufer als ganz persönlichen Pacemaker zur Sub 1:25. So klappt es hervorragend mit dem zurückhaltenden ersten Kilometer und nach wenigen Kilometern sind wir voll in der richtigen Pace.

Die Strecke ist schnell, aber unglaublich langweilig. Die unglaublich langen Geraden sind auch eine mentale Herausforderung Dazu gibt es insgesamt ganze zweieinhalb Stimmungsnester auf den 21,1km. Ein Mal beim Ortseingang von Minfeld und dann noch beim einem Ausflugslokal im Wald, wo sich Hin- und Rückweg das erste mal kreuzen.


Quelle: TomTom MySports

Bei Kilometer 17 bin ich der Überzeugung, dass wieder ein Mal die Kraft fehlt durchzulaufen, Dietmar redet mir gut zu, nimmt 2 Sekunden auf den Kilometer raus und zieht mich mit, Halbmarathon ist eine Qual. Kilometer 19 – irgendwie durchhalten. Kilometer 20 – So nahe, und doch noch so weit.

Auf der Schlussrunde im Stadion überholen uns noch zwei Läufer welche die meiste Zeit hinter uns hingen. Das geht nicht. „Sollen wir noch einen Schlusssprint machen, die uns schnappen?“, „Kannst Du gerne machen, ich nicht“ – so ziehe ich noch ein Mal das Tempo an, beginne wirklich einen Schlusssprint, die Gegenkurve ist Nass und rutschig, wirklich bösartig. Ich bekomme beide noch. Endlich im Ziel.

In Kandel zählen für das Ergebnis nur die Bruttozeiten (!) – und das ist eine 1:24:41, Netto eine 1:24:33. Ziel erreicht. Zeit für das nächste Ziel.

Platz 78 (Gesamt), Platz 76 (m), Platz 27 (AK M).

Ganz spannend sind auch die Werte der Pulsuhr:

km 1 2 3 4 5 6 7
Pace 04:05 04:00 04:05 03:57 03:57 03:56 03:58
Puls 153 159 157 159 159 161 161
km 8 9 10 11 12 13 14
Pace 03:56 04:06 03:56 03:57 03:59 04:04 04:00
Puls 160 159 160 160 161 162 163
km 15 16 17 18 19 20 21 22
Pace 03:56 04:03 03:56 04:01 04:01 04:01 03:48 05:10
Puls 163 163 163 163 164 165 167 165

Road to IM70.3 in Kraichgau: Meine Premiere auf der Olympischen Distanz in Ingolstadt

Zwei Wochen vor meinem absoluten Highlight in diesem Jahr, dem Ironman 70.3 in Kraichgau, stand am letzten Mai-Wochenende als Vorbereitung ein Start über die klassische OD (1,5 / 40 / 9,8 ) auf dem Plan. Die Vorhersage für das Wetter lautet um die 30 Grad und sonnig. Nicht die einfachsten Bedingungen, aber Starkregen und Wind bei unter 10 Grad wären mir persönlich noch weniger Recht.

Nach zwei Sprintdistanzen in der Liga mit Jagdstart und einer falschen Mitteldistanz (Duathlon nach Absage des Schwimmens) beinhaltete diese Veranstaltung für mich sowohl den ersten Massenstart als auch das erste Freiwasserschwimmen im Wettkampf in meiner noch sehr jungen Triathlon-Vita.

Die wohl besten Teamkollegen der Welt haben mich beruhigt und mir sehr gute Tipps für die Startphase ab dem Strand gegeben – ebenso beruhigend war das Wissen, dass Manu (einer dieser besten Teamkollegen) gemeinsam mit mir an der Startlinie steht und wir dieses Rennen gemeinsam bestreiten. Auf Grund der Entfernung sind wir bereits am Vortag angereist, haben die Startunterlagen abgeholt und die Räder eingecheckt. Was man sofort merkt: Diese Veranstaltung in Ingolstadt ist kein Triathlon der kurzen Wege. Vom Parkplatz bzw. Abstellplatz des Autos bis an den See ist es ein gutes Stück und auch dort ist die Ausschilderung nicht überragend. Hinzu kommt, dass die Ausgabe der Startunterlagen ein ganzes Stück von der Wechselzone entfernt ist – bis alles erledigt ist sammelt man einige Kilometer.

Nach dem Einchecken geht es zum Hotel und einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen mit dem gesamten Tri Team. Vor dem Schlafen gehen sortiere ich nochmals die gesamte Ausrüstung und was ich für wann brauche. Die TomTom, welche ich in den letzten Monaten stets getragen habe, habe ich bereits am Freitag Abend aufgeladen. Wie ich am nächsten Morgen feststelle hat sich die Spark innerhalb der eineinhalb Tage auf wundersame Weise selbst entladen, weswegen ich – entgegen meiner Planung – die Strecke ohne Uhr und Pulssteuerung angehe.

Die Nacht ist nicht so erholsam wie sie sein sollte, ich schlafe nicht durch, sondern wache regelmäßig auf. Kurz vor Sechs Uhr ist für meinen Teamkollegen, der sich mit mir ein Doppelzimmer teilt, die Nacht vorbei – er startet bereits kurz nach acht Uhr auf der Mitteldistanz während wir für die Olympische Distanz erst um 10:35 Uhr an der Startlinie stehen müssen. Dementsprechend muss er früher am Veranstaltungsort sein. Ich bleibe noch ein wenig liegen bevor ich aufstehe, mich fertig mache und ebenfalls zum Frühstück gehe. Kaffee und zwei Brötchen, alles ins Auto und los geht’s.

Pünktlich zum Start der Mitteldistanz sind wir am See und bestaunen den Massenstart, feuern unsere Teamkollegen an bevor wir unsere Wechselzone nochmals prüfen und final einrichten. Soweit alles gut. Nur den Clips bei meinem Startnummernband traue ich nicht. Schon ewig wollte ich ein anderes Band kaufen, aber so selten wie ich an Veranstaltungen teilnehme hatte das nie Priorität. Zur Sicherheit wollte ich am Vortag eigentlich noch Sicherheitsnadeln organisieren, aber in der ganzen Pre-Race-Stimmung habe ich es vergessen und nun ist es zu spät. Wird schon klappen. Als wir fertig eingerichtet sind können wir in der Wechselzone 1 unsere Mannschaftskameraden anfeuern die ihre 2km Schwimmen bereits hinter sich haben und alle zusammen richtig gut unterwegs sind.

Danach geht es nochmal zur Startunterlagenausgabe samt Triathlonmesse (eine richtige Toilette, kein Dixie) und ich nutze die Gelegenheit auf der Triathlonmesse nun endlich für das nächste Mal (Kraichgau) bei Sailfish ein neues Startnummernband zu erwerben.
Danach heißt es auf die Wettkampfbesprechung und den Start zu warten. In der Zwischenzeit ziehe ich meinen ORCA TRN, einen Triathlon-Neo der Einstiegsklasse, den es exklusiv bei Wiggle gibt und ich vor einem halben Jahr gekauft habe, an. Einschwimmen ist nicht bzw. geht nur in dem 5-minütigen Zeitfenster zwischen dem Start der ersten Welle und uns, wobei in dieser Zeit alle Athleten noch über eine Brücke zur Startbucht laufen müssen. Ein Platz am Rand des Starterfelds gesucht. Nun beginnt das Kopfkino. Was mache ich eigentlich hier? Das Adrenalin steigt. Und schon kommt das Startsignal für die zweite Startwelle auf der olympischen Distanz und mit etwa 150 anderen Athleten renne ich ins Wasser und gehe auf die Reise zur ersten Boje, welche, anders als alle anderen, links liegen gelassen wird. Es ist zwar eng, aber die befürchteten Schläge und Tritte bleiben aus und ich versuche immer im Wasserschatten anderer Schwimmer zu bleiben, was mal mehr und mal weniger gut gelingt. Zeitweise schwimme ich einige Meter weiter rechts als alle anderen – zickzack eben. Das Gefühl ist nicht so gut, im Gegensatz zu meinem im Training üblichen Dreierzug bin ich zu Beginn die meiste Zeit im Zweierzug unterwegs. Außerdem riecht das Wasser nicht wirklich frisch. Und ganz langsam läuft dann auch noch ein wenig Wasser in meine Brille, so dass ich mich zwischen der zweiten und dritten Boje kurz auf den Rücken drehe und das Wasser herauslaufen lasse bevor es im Kraul weiter geht. Die Brille ist im Freiwasser etwas blind – anscheinend die Alterung – und ich muss mich sehr an den Mitschwimmern orientieren. Die Strecke zieht sich und ich frage mich wie ich das Tempo durchhalten soll, es ist schon eine große Herausforderung. Aber irgendwie geht es und es sind deutlich weniger Schwimmer vor mir als gedacht. Endlich geht es wieder Richtung Ufer, der Bogen des Ausstiegs wird immer größer. Ich versuche zu früh aufzustehen und verliere Sekunden – wie ich später erfahre ist es am klügsten zu Kraulen, bis man die Rampe bzw. Gummimatte mit den Händen greift. Aus dem Wasser heraus, Schwimmbrille abziehen und der erste Versuch den Neo zu öffnen.

Beim ersten und zweiten Mal bekomme ich es nicht richtig hin, dann habe ich auch meinen Bändel in den Händen und öffne den Reißverschluss auf dem Weg in die Wechselzone. Aber ich bekomme den Neo nicht über die Brust, warum? Erst beim zweiten Mal nachgreifen merke ich, dass der Klettverschluss sich oben wieder geschlossen hat. Ich bin beim Fahrrad, der Neo geht nun eigentlich ganz schnell runter und ich schmeiße ihn wie vorgeschrieben sauber in die große Edeka-Tasche und ziehe sofort die Startnummer um. Da passiert es – ein Plastikclip fliegt weg. Verdammt. Meine Startnummer hängt nur noch an einem Clip. Verliere ich meine Startnummer während des Radfahrens oder Laufens ist das ein Grund für eine Disqualifikation. Das Kopfkino beginnt. Ich auf den Knien, suche nach dem zweiten Clip, taste alles ab. Eine Ewigkeit vergeht und ich finde ihn nicht. Wie auch, hier auf dem Rasen. Gut, ziehe ich mich erstmal fertig um und suche dann ein weiteres mal. Also Socken und Schuhe an, Helm und Brille auf und nochmal auf den Boden. Wieder erfolglos. Egal, dann gehe ich Risiko, wenn es deswegen ein DNF wird, dann ist es so. So gut wie möglich klemme ich die Startnummer noch unter das Gummiband, nehme mein FELT und renne aus der Wechselzone.
Hier ist ein wenig Chaos – ein kleiner Weg und manche Leute die mit dem Aufsteigen bzw. Einklicken überfordert sind – bevor es auf die flache, schnelle 40km Strecke geht. Die Strecke ist unspektakulär schön, gute Straßen, gute Absicherungen, doch mehr Wellen als gedacht aber mit wenigen Stellen an denen gebremst werden muss. Perfekte Zutaten für einen schnellen Rad-Split.

Herrlich. Das Ingolstädter Umland ist wirklich schön und das warme Wetter stört zur jetzigen Zeit noch gar nicht. Trotzdem bin ich froh, sowohl auf dem Auflieger meine Aero HC von Profile Design und eine weitere Trinkflasche im Sattelhalter zu haben und so genügend Flüssigkeit zu mir nehmen kann. Nur ein einziges Mal kommt eine kurze Rumpelstrecke als wäre die Straße aufgefräst worden. Warum hier die Streckenposten keine Warnung geben verstehe ich nicht… Ich bin die allermeiste Zeit in der Aero-Position, kann gut überholen und werde selbst nur von sehr wenigen überholt was auf jeden Fall ein gutes Zeichen ist. Hin und wieder greife ich nach hinten um die Startnummer wieder etwas mehr unter das Gummi des Startnummernbands zu schieben. Zum Ende der Radstrecke wieder in kleinere Gänge schalten um die Beine zu lockern. Auf dem letzten Kilometer besteht Überholverbot weil es relativ eng ist und nun die Starter der Sprintdistanz entgegen kommen. Einige Fahrer vor mir trödeln wodurch sich ein gemeinsamer Pulk in die Wechselzone schiebt.
Schuhe aufmachen, runter vom Rad, Stellplatz gleich gefunden, Helm und Brille ab, nochmal ein Schluck getrunken, in die Laufschuhe, Visor auf, Startnummer nach vorn und los geht’s auf die zwei Runden um den See. Irgendwie läuft es. Nicht locker und nicht schnell, aber ich versuche irgendwie ein Tempo zu gehen das ich mir für 9,8 km zutraue. Ich habe ja „nur“ mein Körpergefühl. Keine Uhr, keinen Puls, keine Zwischenzeit. Es wird zäh, warm, viele Leute auf der Strecke und die Frage „warum mache ich das“ wechselt sich ab mit „gleich habe ich es geschafft, und es ist glaub ganz gut“. Hin und wieder schaue ich einfach auch nur in der Gegend herum.

Zwei oder drei Mal laufe ich auf Starter mit roten Startnummern (olympische Distanz, gleicher Startblock) auf und versuche sie sofort hinter mir zu lassen – das sind sichere Platzierungsverbesserungen – und nutze jede Verpflegungsstation. Heute merke ich ein weiteres Mal, wie lange 10km sein können, vorbei an der vorletzten Verpflegungsstation, nochmal zwei Schwämme nehmen für Gesicht und Oberkörper, noch einen letzten Bogen um den See, da hinten muss das Ziel sein und dann rechts in den Zieleinlauf. Froh das Ziel erreicht zu haben sehe ich die Uhr, welche 12:49 anzeigt was für mich ein Finish in Sub 2:15 bedeutet.

Nun heißt es nur noch erholen, die Verpflegung zu genießen (unter anderem Kaiserschmarrn mit Apfelstrudel), auf die Teamkollegen zu warten und zu hoffen, dass diese auch alle ein gutes und gesundes Rennen hatten.
Da ich während des Rennens keine Zeitmessung hatte war ich umso mehr auf die Auswertung der einzelnen Zeiten gespannt.

Die einzelnen Zeiten:

Was beim Schwimmen los war (1,5km in 23:08) kann ich mir nicht erklären – eine für meine Verhältnisse überragende Leistung die ich möglicherweise niemals mehr wiederholen kann, bestenfalls hätte ich optimistisch mit einer 25:xx gerechnet. In der ersten Wechselzone war ich mit knapp 4 Minuten mindestens 60 – 90 Sekunden langsamer als alle anderen Starter – natürlich, durch diese Startnummernband-Geschichte. Das ist auch der einzige Punkt warum ich den Triathlon Ingolstadt nicht als perfektes Rennen verbuchen kann.
Die 40km auf dem Rad habe ich in unter 1:05 mit einem Schnitt über 37 km/h bewältigt. Der zweite Wechsel innerhalb von 1 Minute war dann schon wieder richtig gut. Das abschließende Laufen der 9,8km in 41:24 was einen 4:13er Schnitt bedeutet war offensichtlich auch deutlich schneller als gefühlt. Wobei, vielleicht hätte ich hier noch ein wenig mehr Druck machen können. Ein äußerst schneller Teamkollege, der seine Mitteldistanz bereits gefinisht hatte und vor mir im Ziel war meinte, mir würde es zu gut gehen – nach einer Olympischen Distanz müsste man richtig zerstört sein. Das nächste Mal dann.

Dieses Mal wurde es der 48. Platz (Gesamt), 46 / 507 (Männern), 9 / 87 (AK 30 M).

Ich hätte es nie gedacht – aber ich habe tatsächlich Spaß an der olympischen Distanz gefunden. Kraichgau kann kommen. Wobei das nochmal eine ganz andere Herausforderung wird.

Bewältigungstherapie: 10.000m auf der Bahn

Nach dem für mich enttäuschenden Hermann-Hesse Lauf in Calw stand für mich die Frage im Raum, wann ich einen neuen Versuch auf die 10km versuchen kann oder den geplanten Frühjahrs-Halbmarathon doch am besten lasse. Von Trainingskollegen kam bereits ein Tag nach Calw der Tipp, dass in der kommenden Woche von der LG Neckar-Enz die Regionalmeisterschaft über 10.000m im Bietigheimer Ellental-Stadion stattfindet.

So kam es, dass ich am Donnerstag das erste Mal bei einer solchen Veranstaltung am Start war. Die Atmosphäre war richtig nett, für jeden Starter gab es einen eigenen Rundenzähler und auch das Wetter spielte mit als um 19 Uhr der Startschuss fiel. Ich habe mir eine klare Zeitvorgabe gesetzt – 100m in 23 Sekunden, 200m in 46 Sekunden, die Runde in ca. 1:32/3 und den Kilometer in ca. 3:50 und versuche so konstant wie möglich zu laufen wobei natürlich gleich die erste Runde viel zu schnell ist. Zehn Kilometer sind hart, wenn man sie schnell läuft, egal ob auf der Straße oder der Bahn. Irgendwann ab der Hälfte wird es zäh und mir kommt der Gedanke ob es klug gewesen wäre, irgendwo entlang der Strecke etwas zu Trinken zu platzieren. Aber daran ist nun nichts mehr zu ändern. Wenn ich mitbekomme, dass ein schnellerer Läufer kommt um mich zu überrunden ziehe ich nach Außen auf die zweite Bahn um diesen nicht zu behindern und laufe weiter mein Tempo, immer mit dieser Frage im Hinterkopf „kann ich das halten“? Irgendwann die Ansage „Ruben, noch 5 Runden“… „noch 4 Runden“… am Ende reicht es sogar noch für einen Schlusssprint, einfach so, für mich. Die Uhr stoppt bei 38:31,3. Zufrieden. Als nächstes Ziel die Sub38. Irgendwann. Irgendwo.

Danke an Dieter Matzat von der LG Neckar Enz für dieses Bild.

Härtetest: Hermann-Hesse Lauf Calw 10km

Derzeit liegt ein Trainingsschwerpunkt auf dem Laufen. Mit dem Ziel eines schnellen Halbmarathons im Frühjahr gab es als Vorbereitung regelmäßige Intervalle auf der Bahn und längere Läufe. Für einen Test meines aktuellen Leistungsvermögen stand  letztes Wochenende das erste Mal seit Jahren wieder ein Start bei einem 10km Lauf auf dem Plan.

Die Strecke des Volkslaufs in Calw, der Geburtsstadt von Hermann Hesse, ist amtlich vermessen und flach – optimale Bedingungen also um auf jeden Fall eine neue Bestzeit zu erreichen. Eine 38:XY sollte realistischerweise möglich sein.

Schon bei der Anreise fällt auf, dass es sehr windig ist, selbst im Tal. In der Umkleide erzählen 2 Jungs, die beim 5km Lauf am Start waren, dass sie durch den Wind deutlich (> 1min) langsamer waren als vorgenommen… nunja…

Während des Einlaufens überlegen wir , wo genau der Start ist – wir hatten ihn nicht gesehen. Wie sich später herausstellt besteht dieser aus ein wenig Flatterband, gehalten von zwei Personen an einer Markierung, irgendwo auf einer Straße bei einer Brücke. Aber verfehlen kann man Menge an beinahe 400 Startern nicht. Sie drängen sich auf der Straße und noch bevor der Startschuss ertönt ist klar: Wie immer (?) stehen Leute sehr weit vorne, die dort nicht stehen sollten. Was nach dem Start folgt, ist der Klassiker: Slalomlaufen, zu schnell angehen und seinen eigenen Platz finden. Wenigstens stehen die richtig schnellen Läufer, die Bekannteste unter Ihnen sicherlich Sabrina Mockenhaupt welche an diesem Tag ihren eigenen Streckenrekord der Frauen um 21 Sekunden verbessern wird, ganz vorne und bekommen von diesem Mist nichts mit. Ich dafür schon.

Wie gesagt, windig und sonnig, mit ca. 17° Grad aber optimal und auf keinen Fall zu heiß. Die Strecke verläuft entlang der Nagold, zuerst ca. 2 km aus der Stadt heraus Richtung Kentheim wo sich der Wendepunkt befindet und es auf der gleichen Straße wieder zurückgeht bis in die Calwer Innenstadt. Bis Kilometer 3 läuft es recht gut wobei im Hinterkopf immer eine Stimme mahnt „es ist noch ein weiter Weg ins Ziel“. Und genau so kommt es.

Ich laufe alleine bzw. habe immer wieder „Begleiter“ welche sich in meinem Windschatten (davon gebe ich genug) erholen und dann bei einer guten Gelegenheit vor mir davonziehen.

Am Ende fehlt selbst die Kraft für einen Zielsprint und mit der Zeit von 39:41 bin ich wahrlich nicht zufrieden, waren die äußeren Bedingungen (vermessene Strecke, Flach, angenehme Temperatur) mit Ausnahme des Winds, des verstopften Starts und vielleicht der Startzeit am späten Nachmittag doch optimal. Nunja, immerhin endlich offiziell Sub40 und Platz 88/395 (M/W); Platz 74/297 (M), Platz 14/34 (M30).

Nun stellt sich leider die Frage, ob ein Start bei einem Halbmarathon dieses Frühjahr überhaupt Sinn macht – oder nicht.

Ach, und zu dem Lauf: Für faire 8 Euro (Voranmeldung) bzw. 10 Euro (Nachmelder) gibt es auf der Strecke eine Station mit Wasser, im Ziel Riegel, Obst, Iso und Wasser und von einem Sponsor ein Funktions-Langarmshirt.

Länger Schneller

Anfang Februar fand in Langen die Triathlon Convention statt. Wir sind Samstags hingefahren und haben unter anderem einen Vortrag von Holger Lüning über das Thema „Persönliche Bestzeit und altersgerechtes Training“ angehört.

Die Präsentation war sehr kurzweilig und hatte für mich eine wichtige Aussage: Ich kann nur, wenn ich es versuche!

Lasst es mich erklären:

Für den Sportler gibt es nach Harre & Leopold drei wichtige Faktoren – Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer. Verbindend sind die Schnellkraft, die Kraftausdauer und die Schnelligkeitsausdauer. Soweit, so logisch.

Daneben gibt es natürlich den Alterungsprozess in dessen Rahmen man bis 30 auf- und danach abbaut. Die Ausdauer baut langsam und weniger, die Schnelligkeit schneller und stärker ab .

Wenn man nichts dagegen macht.

Holger Lünings These: Man kann es verzögern, dagegen antrainieren. Die Leute sagen „Das kann ich in meinem Alter nicht mehr machen“ – seine Gegenfrage: „Machst du es nicht mehr, weil du es nicht mehr kannst – oder kannst du es nicht mehr, weil du es nicht mehr machst?“

Ich für meinen Teil habe die letzten Jahr nur unregelmäßig an meiner Schnelligkeit gearbeitet. Einfach, weil ich davon überzeugt war ich bin halt kein schneller Läufer und in einem limitierten Bereich, eben auch durch meine Konstitution, und es dann klüger ist eher die Ausdauer zu trainieren.

Ich finde Holgers Argumentation plausibel, auf mich trifft sie zu. Deswegen versuche ich nun wöchentlich Intervalle zu laufen und an meiner Kraft und Schnelligkeit zu arbeiten.

Ende März werde ich bei einem 10er in der schönen Hermann Hesse Stadt sehen, ob es etwas gebracht hat.