Beim Laufen die Grenzen erleben.

“Sollen wir nicht vielleicht am Donnerstag mal die Strecke gemeinsam laufen?” … welche einfache Frage. Als ich sie mit “Ja” beantwortet habe war mir noch nicht bewusst, was das bedeutet. Schließlich waren wir schon oft gemeinsam laufen. Sind einfach losgelaufen und haben geschaut wohin der Weg uns treibt. Aber dieses Mal war es etwas anderes. Es ging darum, dass er die Strecke ,für den Lauf welcher Ende Juni stattfindet, kennenlernt. Klar, kann man gemeinsam laufen.

Die erste Runde war ganz angenehm, besonders weil er die Strecke noch nicht kannte sind wir im relativ entspannten Tempo gemeinsam gelaufen. Ich muss dazu sagen, dass ich normal einen etwas niedrigeren Puls anstrebe (er lag dieses Mal immer so bei 155/160 und das bereits bei der ersten Runde) – aber dazu später mehr. Da mein Laufkollege nicht immer der gesprächigste ist liefen wir einfach so nebenher. Passt. Wieder beim Parkplatz angekommen standen 25 Minuten für die Runde auf der Uhr. Eigentlich ganz in Ordnung. Kurz einen Schluck aus der Wasserflasche und weiter gehts.

Relativ früh fällt mir auf, das mein Gegenüber das Tempo bereits beim Bergablauf das Tempo erhöht. Meines Erachtens nicht sonderlich sinnvoll. Schließlich will ich kein Wettkampftempo laufen sondern meine Ausdauer verbessern und mir lieber noch etwas Kraft aufheben um noch eine dritte Runde zu laufen. Er sagt nichts und zieht etwas an. Ich überlege mir mitzugehen und erhöhe auch. Nun merke ich allerdings relativ schnell das mein Puls (zu sehr) hochgeht. Also nehme ich etwas Tempo raus. Ihn interessiert es nicht und verringert seine Geschwindigkeit nicht damit sich die Lücke schließt. Nun gut, soll mir auch Recht sein. So viel Konversation war davor ja auch nicht angesagt. Mich irritiert das Verhalten ein wenig aber nun gut – jedem das seine. Meinen Puls bekomme ich in der ganzen Runde nicht in den Griff. Gegen Ende zieht er das Tempo noch mal richtig an. Mir egal. Ich habe mittlerweile realisiert, dass er genau die 10 Kilometer laufen wollte – etwas, dass ich nicht im Sinn hatte. Er powert sich aus und ich will mir Kraft aufheben für eine weitere oder andere Strecke nach der zweiten Runde. Am Ende bin ich etwas über eine Minute nach Ihm am Parkplatz. Die zweite Tour hat bei mir 26:30 Minuten gedauert. Man sieht schon etwas Erschöpfung bei dem Kollegen. Verständlicherweise.

“Na, auch schon da. Gehts?”, fragt er, während er seine Sachen zusammenpackt. “Klar. Ich habe etwas langsamer gemacht damit ich in der nächsten Runde nicht so die Probleme habe wobei das eher eine gemütliche Runde werden soll. Läufst du noch mit oder gehst du jetzt schon.” – “Achso, du willst nochmal eine laufen. Äh ja. Ich dachte zwei Runden, deshalb habe ich auch jetzt am Ende noch einen Schlussspurt gemacht.” Ein paar Minuten Pause, zwei oder drei Schlücke aus der Wasserflasche genehmigen wir uns.

Und los geht’s, zum dritten Mal über den Parkplatz. Man merkt seine Erschöpfung. Klar, ganz frisch bin ich auch nicht mehr aber trotzdem noch deutlich besser unterwegs. Bereits bei der zweiten Steigung lässt er abreisen. Ich mach etwas langsamer. Die Lücke schließt sich trotzdem nicht wirklich. Stehenbleiben macht für mich keinen Sinn – also langsam weiter. Nach wenigen hundert Metern laufen wir wieder nebeneinander. Ich versuche eine Konversation zu beginnen aber die Antworten sind eher mau. So langsam spüre ich ein leichtes Seitenstechen, eher ein ziehen. Nichts schlimmes – aber ich hatte es schon lange nicht mehr. Einen Rhythmus habe ich bis jetzt nicht gefunden. Es geht noch einen halben Kilometer minimal bergauf und ab dann nur noch einen Kilometer sanft bergab ins Ziel. Mein Mitläufer hat wieder leicht abreisen lassen und macht keine Anstalten aufzuschließen. Auch gut. Ich versuche meinen optimalen Rhythmus zu finden. Mache größere Schritte (ich bin deutlich größer wie er) und es geht leichter. Wunderschön. Nun nur noch der letzte Kilometer. Laufenlassen. Das Bergablaufen bin ich noch am üben: Wie komme ich am schnellsten herunter indem ich den Schwung ausnutze und wie schone ich dabei auch noch am besten meine Gelenke und regeneriere. Aber nun ist es angenehm. Mein Ding. Mein Laufpartner ist schon 30 oder 40 Meter zurück. Mir geht es nicht um erster oder zweiter sondern um Technik lernen und Fortschritte zu machen. Noch etwas 200 Meter. Er eilt heran. Ich weiß, dass er gleich vorbeisprintet und rufe ihm schon zu als er noch in meinem Rücken ist “Hopp, geb’ Gas. Überhol mich.” und signalisiere damit, dass es mir nicht darauf ankommt der erste zu sein oder ähnliches. Ihm schon. Er zieht vorbei und bringt auch noch einige Meter zwischen uns. Er ist am Pumpen. Ich nicht. Die Zeit ist mit etwa 27 Minuten auch ganz ordentlich. Nur mein Puls, der war die allerallermeiste Zeit bedeutend entspannter als während der ersten beiden Runden.

Wir reden noch ein wenig und als ich mich noch dehne verabschiedet er sich und geht heim. Passt. Ich glaube diese Strecke (ich mag die Rundstrecke sowieso nicht so sehr) werde ich nicht mehr mit ihm laufen. Wir haben andere Schrittfrequenzen und Schrittgrößen, andere Gründe warum wir laufen (ich mache das primär für mich selbst aber nicht, um andere Leute zu übertreffen) und andere Trainingsphilosophien. Wieder was gelernt. Wobei ich es zeitweise echt als Grenzerfahrung angesehen habe. Man könnte doch auch einfach miteinander reden. Wobei die verschiedenen Motive (einfach Laufen und trainieren vs. besser sein) schwer miteinander vereinbar sind :-).

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5 Antworten auf Beim Laufen die Grenzen erleben.

  1. Hannes sagt:

    Schon zu Beginn klang das von dir nicht so, als wärest du mit eurem gemeinsamen Lauf so richtig zufrieden. Einerseits schade – andererseits kann ich dich da absolut verstehen. Zu Anfang meines Läuferdaseins habe ich auch einige Male versucht, mit einem Freund zusammen zu laufen. Es klappte nicht. Er war nicht so motiviert wie ich, unzuverlässig – es passte nicht.

    Dann ist es nur richtig, dass lieber alleine zu machen. Und vielleicht klappt es irgendwann ja besser …

  2. matbs sagt:

    Hmm, das ist natürlich immer so ´ne Sache mit dem Gemeinsam Laufen.
    Ich finde ja, das sollte man der Gesellschaft wegen machen, und da muss dann grundsätzlich die goldene Regel gelten “Das Tempo macht immer der Langsamste” – egal wer das ist.
    Wenn sich alle daran hält klappt es eigentlich ganz gut. Ich bin inzwischen schon mit recht vielen anderen Läufern unterwegs gewesen, sowohl schnelleren/ausdauernderen als auch langsameren/etwas unfitteren, das geht alles gut (auch unabhängig vom individuellen Laufrhythmus) solange sich eben alle an diese Regel halten.

    Ego und Ehrgeiz sollten beim gemeinsamen Laufen auf gar keinen Fall so sehr im Vordergrund stehen, dass man gegeneinander läuft, denn dann geht irgendwann einfach der Spass an der Sache flöten und es wird zu verbissen (mal ganz abgesehen davon, dass längere Touren und Regenerationsläufe fast unmöglich sind, wenn ständig irgendwer volle Kanne drauflospowern muss).
    Bringt nix auf Dauer, dann – ganz ehrlich – lieber alleine.

    Das mit dem Seitenstechen kommt übrigens gerne beim Berglaufen, interessanterweise stellt sich´s am liebsten ein, wenn man gerade bergab läuft – dann kontrolliert man die Atmung nicht so sehr (gerade wenn man redet), was zu Seitenstechen führen kann. Eine paar hundert Meter mit ruhigeresm Lauftempo, auf denen man bewusst ein- und vor allem ausatmet, schaffen da meist Abhilfe.

  3. Ruben sagt:

    Ja, war auf jeden Fall eine lehrreiche Erfahrung!

    Neue Strecken mit Ihm: Ja. Bekannte Strecken: Nein.

    Liegt aber glaube ich wirklich an den unterschiedlichen Philosophien – er läuft kaum längere Strecken und hohes Tempo und ich versuche eher die Ausdauer zu trainieren … naja

  4. Sebastian sagt:

    ‘nen Abend,

    sehe gerade, dass Du Dich, Ruben, für Deinen ersten (10 km-) Lauf unseren “6. Schwarzenberger Reute-Lauf” auserkoren hast. Schön. Um nicht zu schreiben, sehr schön. Wäre da nur nicht die Bemerkung im obigen Artikel: “ich mag die Rundstrecke sowieso nicht so sehr”…

    Zugegeben, aller Anfang ist hart, nämlich der erste, leicht abfallende Kilometer auf dem Radweg in Richtung Bieselsberg. Sprich, auf einer geteerten Strecke. Doch wenn Du Dich entsprechend warm angezogen, nein, gemacht hast, somit Muskeln, Sehnen & Bänder locker drauf sind, wirst Du hierbei nicht “zu hart aufschlagen”, die letzten 4 Kilometer werden wie im Fluge vergehen (Flugangst?) und nach den allerletzten 5 wirst Du gar nicht anders können, als Rund-Um zufrieden zu sein, Rund-Weg hin oder her :)

    Will sagen: ganz viel “persönlichen” Erfolg — ganz egal, wie gesprächig Deine Mitläuferinnen und Mitläufer am Sonntag, den 21. Juni 2009, sein werden…

    Viele Grüße aus Schwarzenberg!
    Sebastian

    http://reute-lauf.de/
    http://alb-nagold-enz-cup.de/

  5. Ruben sagt:

    Hei Sebastian,

    vielen Dank für deine Wünsche! Klar, ich denke auch, dass es super wird.

    Mit der Aussage, dass ich die Route nicht so sehr mag meine ich, dass es bei uns noch viele andere schöne Waldwege gibt, dass man nicht unbedingt im Kreis laufen muss und die Strecke fürs normale Joggen zu kurz ist wenn man sie nur ein Mal läuft und für mich als Hobbyläufer hat es normal wenig reizvolles an einem Tag eine Runde doppelt zu laufen o.ä.

    nächste Wochenende werde ich definitiv im hinteren Viertel ins Ziel kommen – wobei das ankommen das allergrößte ist- von daher ist das ok. Und diese langezogene Steigung ist halt schon besonders :) wobei ich sie mittlerweile echt mag (und sie ja auch nicht wirklich so schlimm ist).

    Übrigends: Gratuliere zu deiner unglaublichen HM Zeit in Straubenhardt – habe es im Bürgerfreund gelesen und muss sagen: Respekt!

    Viele Grüße (bis nächsten Sonntag dann!)

    Ruben

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