Duathlonpremiere in Agenbach

Dieses Jahr hatte ich bisher an keinem Wettkampf teilgenommen. Genau so wenig wie letztes Jahr. Überlegt hatte ich mir schon, die 10km in Schwarzenberg zu machen aber aus verschiedenen Gründen entschied ich mich dagegen. Ebenso Ideen zu irgendwelchen Halbmarathonstarts. Relativ spontan kam dann die Entscheidung Anfang des Monats in Agenbach am 6.8 beim Duathlon zu starten.

Duathlon, heißt nur Laufen und Radfahren. In Agenbach geht die Hauptstrecke über 3x1km Waldlauf, dann 3×5,5km Fahrradfahren auf Waldwegen und zum Abschluss noch 2x1km Waldlauf. Das ist so ziemlich gar nicht mein Profil fürs Laufen, diese kurzen „Sprinterstrecken“ liegen mir einfach nicht und beim Mountainbiken habe ich ja auch erst vor einem halben Jahr begonnen und somit noch nicht wirklich das, was man als gute Grundausdauer oder Tempohärte bezeichnen könnte. Zu guter letzt habe ich noch nie eine Koppeleinheit – also ein Lauf mit Wechsel aufs Fahrrad oder anders herum ausprobiert. Insgesamt also eher maue Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start. Aber der Spaß soll ja im Vordergrund stehen. Tzz, bisschen Ehrgeiz ist aber doch immer noch dabei.

Nach der Ankunft in Agenbach haben wir die Fahrräder erstmal noch im Auto gelassen und sind zur Nachmeldung gegangen während die Wettbewerbe für die Kinder schon in vollem Gange waren. Startnummer fürs Trikot und das Fahrrad geholt und wieder zurück zum Auto um die Mountainbikes auszuladen. Eine große Frage für mich war noch vor dem Start ob ich die Schuhe nach dem Laufen wechseln soll und Klickies fahre oder auch mit meinen Laufschuhen die Radrunde fahre. Da der zweifache Wechsel wohl zu viel Zeit kosten würde entscheide ich mich, alles mit meinen roten Brooks Cascadia durchzuziehen. Obwohl diese keine ultraleichten Wettkampfschuhe sind war es die richtige Wahl weil die stabilere Sohle vor allem auch bei den Kombipedalen am Fahrrad deutlich bequemer sind als z.B. die dünnen Sohlen der Green Silence oder Nike Free.

Also gleich mal noch die 1km-Runde anschauen damit man später beim Lauf keine bösen Überraschungen erlebt. Diese verläuft erst am Waldwand etwa 300m auf einem Feldweg und geht dann in den Wald hinein. Hier wird der Weg schmaler (man könnte nicht zu zweit nebeneinander laufen), schlängelt sich zum Teil um einige Bäume herum als wäre man beim Slalom und man muss die Schrittlänge und -höhe wegen Wurzeln und Unebenheiten ziemlich variieren. Nicht so wirklich cool aber für ein paar kurze Runden gehen auch diese vielleicht 200m sicherlich gut. Danach geht es wieder auf einen breiteren, relativ unebenen Waldweg wieder zurück bis es kurz vor dem Sportgelände nochmals für einige Meter durch den Wald geht und man die Runde auf dem Gelände des SV entweder beendet oder in die Wechselzone geht. Jedenfalls ist von Anfang an klar, dass die keine der Strecken ist bei denen man locker eine Geschwindigkeit konsequent durchziehen kann. Nun heißt es auf den Start zu warten…

…wobei der Himmel nichts gutes verheißt. Ziemlich bewölkt. Was eigentlich gut ist weil es so von den Temperaturen sehr angenehm ist und man andererseits mit Regen rechnen muss. Und der kommt in Form eines kurzen aber heftigen Schauers etwa eine viertel oder halbe Stunde vor dem Start. Welch ein Spaß! Immerhin regnet es nicht mehr als wir zum Start gehen, aber die Strecke ist durch den Regenschauer ziemlich nass geworden.

Der verzögert sich aus irgendwelchen Gründen. Jedenfalls wird noch jeder Starter / jedes Team einzeln aufgerufen und überprüft, ob alle da sind (was nicht von Anfang an der Fall ist). Ich versuche währenddessen auf meinem Motorola Milestone Runkeeper zu starten um die Strecke und meine Zwischenzeiten zu tracken. Leider sind die Wolken wohl so dick, dass ich keinen GPS-Empfang bekomme und verzichte von daher ganz darauf, dass Smartphone mitzunehmen und gebe es einem Bekannten, der in der Nähe des Starts sitzt.

Endlich kommt das Startsignal. Ich habe mich absichtlich etwas weiter hinten einsortiert um nicht das Risiko einzugehen es mit dem Tempo zu übertreiben. Leider bin ich zu weit hinten was ich relativ schnell nach dem Start schon an dem gelaufenen Tempo merke (und ebenso daran, wie die Spitze des Feldes in großen Schritten enteilt) weswegen ich schon relativ am Anfang versuche noch an einigen anderen Läufern vorbeizukommen bevor das Waldstück kommt in welchem ein Überholen beinahe unmöglich ist. Der Waldboden und die Wurzeln sind durch die Feuchtigkeit des Wolkenbruchs zum Teil fies rutschig aber das bin ich von meinen normalen Strecken soweit gewohnt, dass es kein besonderes „Risiko“ darstellt. Viel eher ist das Problem wo ich mich einsortiere, ein Läufer überholt mich und bleibt direkt vor mir. Ich versuche mich an ihn heranzuhängen bis ich merke, dass sein Tempo mir zu langsam ist. Insgesamt ist mein Lauftempo sehr langsam aber das Risiko auf dem Fahrrad – meiner schwächeren Disziplin – dann vollends einzubrechen und keine Kraft mehr zu haben bremst mich. Nach der ersten Runde habe ich meinen Platz in der Gruppe gefunden, sehe wie einige bereits weit enteilt sind und jeder die drei Kilometer einfach nur schnell hinter sich bringen will.

Der Wechsel aufs Fahrrad gelingt nicht perfekt. Obwohl ich meinen Helm – so dachte ich – mit den Verschlüssen richtig hingelegt hatte verheddert sich irgendwas und ich muss daran herumnästeln bis ich den Helm korrekt trage und verschließen kann. Angenehm ist natürlich, dass ich nun auch etwas zum trinken habe, welch Wohltat. Mein 29er schnell aus dem Wechselbereich geschoben, aufgestiegen und los gehts. Das Streckenprofil ist, sagen wir interessant. 2,5km Kilometer leicht bergab mit einigen, meist eher leichten Kurven (welche mich trotzdem Zeit kosten aufgrund blöder Bremsvorgänge und Unkenntnis der Strecke) auf geschotterten Wegen, daran anschließend 2,5km Bergauf mit 90hm und dann eine kurze eher flache Passage.

Zu Beginn der ersten Runde verwundert mich, dass ich niemanden vor mir sehe. Keinen anderen Fahrer. Wo sind alle hin in der kurzen Zeit seit dem Laufen noch einige Leute in unmittelbarer Nähe vor mir gesehen habe? Habe ich in der Wechselzone so viel Zeit verloren? Da ich schon vorher darauf hingewiesen wurde, dass die ersten Kilometer auf dem Rad sich immer komisch anfühlen mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Ich warte nur darauf, wann endlich der Anstieg kommt. Mein subjektives Empfinden von Strecke (das sind doch definitiv mehr als 5km…) ist an diesem Tag etwas verwirrt. Als die Anstiege anfangen – ich fahre mit Absicht eher kleine Gänge bei hohen Trittfrequenzen (was ich normal nicht mache) um zu vermeiden, dass meine Muskeln zu schnell dicht machen – berholt mich schon der erste andere Teilnehmer. Ich versuche mich dranzuhängen was eher schlecht und nur für eine kürzere Zeit funktioniert. Der Matsch spritzt über die Schuhe, die Beine, das Gesicht, alles voll. Zum Glück trage ich meine Radbrille, ohne wäre das undenkbar. Ich kämpfe mit mir, denke wieso ich sowas überhaupt mache, blöde Kurzdistanzen. Irgendwie machts Spaß und irgendwie gar nicht. Die erste Runde ist endlich vorbei.

Die zweite Runde läuft deutlich besser. An der einen oder anderen Kurve verbremse ich mich zwar leider was Zeit und Kraft kostet aber ansonsten weiß ich ja mittlerweile, was so auf mich zukommt. Sogar die Bergauf-Passage ist in Ordnung, wobei die Steigung und der nasse Weg sehr wohl Kraft kosten. Ich merke einfach, dass ich beim normalen Radfahren bei mir in der Gegend vor allem bei den Steigungen mehr Zeit lasse. Als Bergab ein Cyclo-Crosser an mir vorbeifliegt bekomme ich ein Mal mehr eine eindrucksvolle Vorführung von dem, was langes Rad-Erfahrung ausmacht.

Die dritte Runde lässt mich zu Beginn beinahe euphorisch werden. Es läuft gut und die restliche Strecke ist überschaubar. Durch die bessere Streckenkenntnis sind sogar die meisten Kurven kein Problem mehr. Bis mir auf einmal kurz vor dem ersten richtigen Anstieg der Vorderreifen auf dem nassen und mittlerweile von vielen Reifen gezeichneten Schotterweg wegrutscht. Gerade noch so bekomme ich mein 29er gefangen und atme tief durch. Der Anstieg geht auf einmal nicht mehr so leicht, ich freue mich noch irgendwie aufs Laufen, eigentlich nur darauf, das es bald vorbei ist. Vor allem sehe ich im Laufen auch keine große Herausforderung mehr, vor und hinter mir sehe ich niemanden, von daher wird es also wohl auch keinen direkten Vergleich geben. Ein Streckenposten macht mir Mut, dass das schlimmste bald vorbei ist und die Steigung fühlt sich deutlich länger an als während der zweiten Runde. Als ich das Ziel schon erahnen kann, auf dem letzten Stück, einem Feldweg Richtung Sportheim will ich nochmal alles geben und trete in die Pedale um kurz danach zu merken, dass dort nicht mehr viel geht. Kurz danach macht meine linke Wade dicht, verkrampft. Was für ein Mist, das hatte ich noch nie. Ungewohntes Gefühl. Und unangenehm! Ich versuche mit dem rechten Fuß weiterzutreten (was ohne Klickies etwas schwer ist) und das linke Bein zu lockern was sogar funktioniert und die Schmerzen nach einigen Sekunden weitestgehend weg sind.

Nun kommt der zweite Wechsel, dieses mal vom Rad wieder zum Laufen und der mittlerweile ungewohnte Bewegungsablauf überfordert mich am Anfang schon kurzzeitig. Ich hänge mich an einen anderen Läufer aus einer Staffel der zeitgleich mit mir aus der Wechselzone kommt und ich muss wirklich mit mir ringen um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Wie ich gerade laufe dürfte man eigentlich auch nicht als Laufen oder Joggen bezeichnen. So unrund und so langsam. Aber auch hier macht sich bereits nach einigen hunderten Metern Gewöhnung breit und ich kann wieder aufschließen. Zum Anfang der zweiten Runde sind wir eine Vierergruppe. Ein letztes Mal durch den Start-/Zielbereich. Ein letztes Mal entlang vom Waldrand. Ein letztes Mal die „Trailpassage“. Uns kommen drei Personen entgegen die sich nochmal die Strecke anschauen oder was? Sie machen den Pfad frei aber was haben Passanten hier verloren? Ich überlege mir schon, was ich in diesem Blogbeitrag schreibe. Wie mein erster Duathlon so gelaufen ist. Der Mund ist trocken und es reicht. Wieder auf den breiten Waldweg, die Grasböschung hoch. Hannes würde wohl nun eine Tempoverschärfung machen. Etwa noch 500 Meter bis zum Ziel. Undenkbar für mich. Außerdem auch so in Ordnung, wenn wir zu viert gemeinsam in den Zielbereich laufen und alle eher zeitgleich mit einem kurzen Zielsprint finishen. Just in diesem Moment zieht ein Läufer an und es entsteht eine Lücke von etwa 5 Metern. So geht das nicht. Also nicht gemeinsam finishen. Dann versuche ich es. Mir ist bewusst, dass ich nur eine Chance habe um einen Vorsprung herauszulaufen der ausreichend ist und ziehe an. Mit einigen großen Schritten habe ich den anderen Teilnehmer eingeholt und ziehe an ihm vorbei. Nur nicht anmerken lassen, dass es mich so sehr anstrengt. Es zwar zu früh. Es schmerzt und ich bin mir sicher, dass gleich die drei anderen an mir vorbeifliegen. Aber es kommt keiner. Am Streckenrand stehen zwei Personen die etwas in die Richtung äußern, dass ich das nun durchziehen soll und geben mir die Bestätigung, dass diese Tempoverschärfung wirklich beachtlich ist und damit auch die Hoffnung, dass ich den Vorsprung bis zum Schluss reden könnte. Ein letztes Mal rechts ab vom Waldweg durch die 20-Meter Waldpassage kurz vor dem Ziel und dann alles geben damit keiner an mir vorbeikommt. Ein Blick zurück und dort sehe ich niemanden. Wohoo.

Kurz durchatmen, etwas trinken. Nun bin ich zufrieden. Erschöpft und zufrieden und es fühlt sich gut an. Für die 5km Laufen und 16,5 Kilometer Radfahren habe ich 1:01:51 benötigt. Das heißt Platz 4/5 bei den Herren19 und 9/16 bei dem Gesamtklassement mit beinahe genau 6 Minuten Rückstand auf den AK-Sieger, Benjamin Pfrommer vom Team Haico und über 8 Minuten auf den Gesamtsieger bei den Einzelstartern Wolfgang Robra von der SZ Calmbach. Das ist natürlich schon ein großer Abstand zu der Spitze des Feldes… wobei das natürlich auch stark mit ganz anderen Trainingsumfängen und dementsprechendem Leistungspotential, Erfahrungen und Material zusammenhängt.


(Kurz nach dem Duathlon. Man beachte die roten Brooks Cascadia)

Spaß hat es trotzdem gemacht. Genau Split-Zeiten habe ich leider nicht da mein GPS-Tracking ja den Dienst verweigert hat und die Veranstalter leider keine Teil-Zeiten herausgeben da der Spaß im Vordergrund stehen soll. Schade. Meine Rad-Zeit lag bei etwa 38-39 Minuten (was ich Rückblickend trotzdem ziemlich schnell finde, obwohl mir das währenddessen nicht so vor kam) und meine Gesamtlaufzeit somit bei ca. 22-23 Minuten (was mich wirklich negativ überrascht hat. Ich hatte eigentlich mit einer 20er Zeit geplant was aber an meiner wirklich blöden Renneinteilung und der fehlenden Erfahrung lag).

Nach dem Rennen erstmal aus den nassen Schuhen und Socken heraus und barfuß einen oder zwei Kilometer auslaufen, etwas trinken und noch ein frisches Oberteil anziehen. Da ansonsten alles verdreckt war fiel die Entscheidung spontan auch noch den Heimweg mit dem Fahrrad zu machen. Hier ging sogar wieder das GPS und die 21km auf dem Höhenradweg Schömberg-Simmersfeld gingen überraschend leicht (wobei die Strecke auch insgesamt leicht abschüssig ist) so dass hier am Ende noch beinahe ein Schnitt von 28 km/h stand. Nach dem Duathlon und auf Mountainbikes. Leider habe ich dann kurz vor Ende in Oberlengenhardt tatsächlich bei einem kurzen Halt an einer Kreisstraße gleichzeitig Wadenkrämpfe auf beiden Seiten bekommen. Sowas hatte ich auch noch gar nicht. War zum Glück dann auch nach einigen Sekunden wieder weg.

Rückblickend ist der Agenbacher Duathlon wirklich eine tolle Sache. Leider etwas wenig Teilnehmer für die Hauptstrecken (insgesamt ist es doch eher eine Veranstaltung für den Nachwuchs) ist es ansonsten ein sehr familiäres, nettes Event was toll organisiert ist. Spaß hats gemacht.

3 Gedanken zu „Duathlonpremiere in Agenbach“

  1. Ein sehr schöner und anschaulicher Bericht:) Ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich dieses Jahr mal an einem Duathlon teilnehmen soll, bin aber noch „unbefleckt“ geblieben, weil das nicht so richtig in das Training gepasst hat. Da ich zudem auch recht gerne schwimme, suche ich denn auch eher nach Triathlon-Events; aber Laufen + Radfahren ist grundsätzlich auch nicht verkehrt

  2. Ja Gerd, absolut. Alleine das Reinschnuppern ist ein super Erlebnis, aber auf diesen Kurzdistanzen ists eben nichts mit Taktik oder Durchhaltewillen sondern einfach nur mit Vollgas

    Ja John, Triathlon ist absolut das Ziel. Aber da ich die letzten Jahre das Schwimmen sträflich vernachlässigt habe ist das in weiter ferne und ich muss mit Duathlons oder Laufevents vorlieb nehmen… probier es mal aus, ist sicher auch für einen Triathlon eine gute Vorbereitung.

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