Ein Haufen Läufer und Blogger auf dem Brocken

Im Sommer 2013 hatte BMW zum Bloggertreffen an den Tegernsee geladen – und weil dieses Wochenende mit den anderen Laufbloggern so schön war, musste in diesem Jahr eine privat organisierte Wiederholung her (vielen Dank an Chef-Organisator Henrik!). Neben den Teilnehmern des letzten Jahres (außer Hendrik vom Trailblog, der leider die Alpen dem Harz vorzog) waren noch Nadine, Gerd, Andreas und Thomas am Start. Der Harz (ganz genau: Hohegeiß), gut erreichbar aus allen Himmelrichtungen sollte für ein Wochenende im Juni das Epizentrum des deutschen Laufbloggertums werden.

Für Hannes, Gerd und mich begann die gemeinsame Anreise am Hauptbahnhof in Darmstadt – wegen lauter Vorfreude war ich leider bereits eine Stunde zu früh am vereinbarten Treffpunkt. Egal. Die Fahrt war kurzweilig und bis nach Hohegeiß problemlos, dort kämpften wir beinahe 45min mit leeren Akkus, schlechtem Empfang und keiner richtigen Adresse bis wir endlich unsere Herberge gefunden hatten.

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Thomas hat eines der Mehrbettzimmer festgehalten. Letztes Jahr waren wir noch in luxuriösen Einzelzimmern im Seehotel Überfahrt untergebracht. Das hier ist nun sehr Rustikal aber ausreichend, statt einem Ausflug mit dem Premiumanbieter ist es in diesem Jahr eine lockere Klassenfahrt.

Nachdem auch die letzten für Freitag Abend erwarteten Teilnehmer da sind geht es noch auf eine kurze Runde (8,8km) nach Sorge. Man sieht noch Erinnerungen an die Grenze, die genau hier vor 25 Jahren noch Stand. Diese kurze Laufrunde wäre nicht unmöglich gewesen, der Versuch die Grenze ohne Papiere zu überqueren sehr riskant. Wie schnell geht Geschichte in Vergessenheit?

Während die einen noch duschen, bereiten die anderen bereits das Abendessen vor (Carbloading – Nudeln!) und im Anschluss nimmt uns Jan Fitschen (auch dem hat es im letzten Jahr mit uns wohl so gut gefallen, dass er mit seiner Frau für diesen Abend hierher gefahren ist) mit in eines seiner Projekte, einem Buch, und liest uns schon die eine oder andere sehr schöne Passage daraus vor und zeigt uns einige Bilder.

Schnell vergeht die Zeit und als es bereits nach Mitternacht ist gehen nach und nach alle in ihre Zimmer. Für mich war die Nacht in Ordnung, allerdings nicht übertrieben erholsam. Bei einem guten Frühstück und frischem Kaffee geht es dann so langsam besser.

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Nachdem auch Eddy und Philipp angekommen und umgezogen sind, machen wir uns auf nach Elend, zu dem Ausgangspunkt für unseres einzigen Tagesordnungspunkt (neben dem Deutschlandspiel um 21 Uhr) – einem schönen Lauf. Hannes hatte bereits im Vorfeld seine Ortskenntnisse aus früheren Urlauben in der Gegend und GPSIS eingesetzt um verschiedene Routen (ca. 15 und 32km) für jede Leistungsgruppe auszutüfteln und dabei trotzdem die Gruppe für die ersten Kilometer zusammen zu halten.

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Kurz vor dem Start in Elend (ganz in der Nähe von Sorge) noch ein schönes Gruppenfoto von Andreas (der deswegen leider nicht auf dem Bild ist). Planungstechnisch ist bei mir leider einiges schiefgegangen, so hatte ich meinen Laufrucksack inklusive Trinkblase ebenso wie meine langärmligen Oberteile (z.B. den Merino Longsleeve) und Armlinge bei meinem letzten Besuch bei meinen Eltern liegen lassen und hatte deswegen provisorisch meinen Deuter Bikerucksack dabei, der mir auch bei meiner ersten Ultradistanz an einem 1. Mai gute Dienste geleistet hat, und in diesem eine 1,5l PET Flasche mit Wasser und diverse Riegel und eine Laufjacke… Long Story Short: Wir waren die gesamte relativ gemütlich unterwegs weswegen es auch mit dem Rucksack ging, wenn auch nicht überragend gut, allerdings hat die Gewichtsverteilung (vor allem durch die Flasche) sehr gestört.

Die ersten Kilometer sind sehr geruhsam, mit ständigen Pausen, viel Gerede, Gelache und Spaß, die Route bietet einige schöne Aussichtspunkte und Highlights, nette Trails und Steigungen, wunderbar.

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Nein, das ist noch nicht der Brocken. Aber darunter sieht man die ganzen anderen Laufblogger… irgendwie war Goethe mal dort. Kurz danach trennen sich unsere Wege. Henrik, Marek, Heimo, Hannes, Thomas und ich entscheiden uns für die lange Runde…

Zwischendurch geht es durch das Unterholz, auf weitere wunderschöne Aussichtspunkte, und dann beginnt es leicht zu nieseln. Generell ist das Wetter für einen Lauf eigentlich ganz in Ordnung, vielleicht etwas zu nass – wenn man die richtige Ausrüstung dabei hat. Orientierung habe ich selbst an diesem Tag nicht, aber zum Glück haben alle Mitläufer Ihre GPS-Uhren und Smartphones am Laufen.

Nach circa 15 Kilometern geht es für auf dem Hirtenstieg hinauf auf den Brocken. Es gibt angenehmere Wege als diese aneinandergereihten und mit aussparungen versehenen Betonplatten.  Während die rennenden Zwillinge gemeinsam mit Hannes und Thomas vorne draus eilen bilden Heimo und ich die Nachhut und lassen es gemächlicher angehen. Bei meinem Urlaub in den Alpen vor zwei Wochen habe ich bei Mountainbiketouren gemerkt wie gut es tut, wenn man gerade in schwierigeren Passagen zu zweit oder dritt das Ende einer Gruppe bildet und dort eine gute gemeinsame Pace findet während weiter vorne gerne jeder sein eigenes Tempo gehen kann solange sich alle an dem einen oder anderen Punkt (z.B. Abzweigung) wieder sammeln.

wpid-img_20140621_133327.jpgEine tolle Aussicht während des Aufstiegs – allerdings wird mit jedem Höhenmeter der Wind, die Luftfeuchtigkeit und die gefühlte Temperatur unangenehmer. Wir wechseln Lauf- und Gehpausen ab, unterhalten uns über Läufe, Triathlon und Erfahrungen mit Laufschuhen bis wir dann endlich irgendwann den Gipfel erreicht haben. Ich bin überrascht, wieviele Touristen hier oben sind, trotz des grauen Wetters. Noch ein Foto vor dem Gipfelstein (oder wie nennt man das?) bevor wir in einem Gebäude unsere anderen Laufblogger wieder treffen. Nach einer Pause zum aufwärmen, umziehen und dehnen geht es wieder abwärts – das läuft – am Anfang auf der Straße und dann über die alte Bobbahn. bis nach Schierke. Von dort aus wählen wir den direkten Weg nach Elend und verzichten auf weitere Höhenmeter (dankeschön!) welche auf der ursprünglichen Route von Hannes mit einigen weiteren Aussichtspunkten noch vorgesehen waren.

Nach ca. 32km sind wir wieder in Elend und während Heimo und ich uns hier von der Gruppe ausklinken, wollen Marek, Henrik, Thomas und Hannes noch die restlichen „10km oder so“ bis zur Herberge noch laufen (es wurde länger, aber das könnt ihr auf deren Blogs nachlesen, so feierte Thomas sogar sein Ultra-Debüt 🙂 ). Auch bei unserer zweiten Gruppe wurde die Distanz länger als geplant, Philipp hat somit sogar seine weiteste Strecke ever gelaufen – Gratulation.

Für mich war dieser Lauf vom Umfang und Streckenprofil perfekt. Die weiteren Kilometer haben gereizt, aber auch dank des abgestellten Autos und der nicht so optimalen Ausrüstung (warum lasse ich alles für solche Bedingungen zu Hause liegen?) fiel es eher leicht vernünftig zu sein und den Juni wirklich als lockeren Monat zur Regeneration durchzuziehen.

Abends gab es noch lecker Quinoa und Mungobohnen (danke Nadin), Pasta, Fußball und Bier… wunderbar, das Leben ist schön.

Sonntags ging es dann nach dem Frühstück schon wieder heim… aber es ist schon ganz schön, mit so ’nem Haufen Bloggern. Ganz unabhängig, ob in einem 5-Sterne-Hotel am See oder einem kleinen Häuschen mitten im Wald. Es kommt auf die Menschen an, mit denen man sich umgibt, und das waren an diesem Wochenende einfach eine ganze Menge ganz besondere Personen die man gerne immer mal wieder trifft weil jeder so mit seiner ganz eigenen Geschichte vieles zu erzählen hat (z.B. warum mit dem laufen begonnen wurde, warum man sich wie ernährt oder auch wie man 100km überlebt…)

Weitere Berichte:

11 Gedanken zu „Ein Haufen Läufer und Blogger auf dem Brocken“

  1. Ein toller Bericht von einem tollen Wochenende. Ich freue mich jetzt schon auf „Teil 3“ im nächsten Jahr!

  2. Vollkommen richtig: auf die Menschen kommt es an, und die waren ausnahmslos nett – und gesprächig 😉 Ein sehr rundes Wochenende!

  3. Auch wenn es länger gedauert hat: Danke für deinen tollen Bericht – und vor allem schön, dass du wieder dabei warst!

    Nach 5-Sterne-Hotel und einsamer Hütte – was kommt im nächsten Jahr?

  4. Was lange währt…..
    Es war schön das man sich mal länger getroffen hat als beim Überholen auf der Laufstrecke. Hat Spaß gemacht und fordert eine Wiederholung.
    Da ich letztes Jahr ja nicht dabei war, fehlt mir ja noch eine 5*-Variante! 😉

  5. Hast du schon resümiert Ruben! Ist ein toller Haufen und es wäre gelacht, wenn wir da 2015 nicht noch eines draufsetzen können! Was kommt nach 5* und Ferienlager? Uns fällt da bestimmt was ein 🙂

  6. @brennr: du hattest eine faire chance… aber wir verstehen deine Gründe.

    @Eddy: Ja, ich freu mich jedes Mal aufs euch 🙂

    @Andreas: Ja, war wirklich eine offene, angenehme und gesprächige Runde.

    @Hannes: Irgendwas zwischendrin wäre mir recht – Zelten muss nicht sein

    @Gerd: Absolut.

    @Marek: Ja!

  7. Auch für mich war das Wochenende einfach perfekt – coole Laufblogger und geile Lauf…. Was will man mehr.

    Freue mich aufs nächste Jahr, dann bist du aber ordentlich ausgerüstet 😉

    Sport frei!
    Thomas

  8. Ein ebenso wunderbarer Bericht wie bei den anderen. Es war echt eine Freude, dass ich dabei sein konnte und dass ich auch dich kennenlernen konnte.

    Vielleicht dann nächstes Jahr auf ein Neues.

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