Ein Tag nach meinem ersten Marathon

Mittlerweile sind etwas mehr als 24 Stunden seit meinem Zieleinlauf in Großbottwar gestern vergangen.

So langsam lässt der Muskelkater nach und ich blicke zurück auf mein gestriges Debüt. Ein langer Bericht folgt noch, aber an dieser Stelle einmal ein kurzer Abriss über die wichtigsten Facetten des gestrigen Tages.

Die Angst, dass es gerade zu Beginn des Laufs zu kalt wäre, war unbegründet. Selbst um 10:30 Uhr war es nur noch angenehm kühl, aber nicht kalt und das blieb auch so bei tollstem Sonnenschein.

Verwirrung gab es für mich noch vor dem Startschuss weil ich im blauen Startblick (3:00 – 4:00) den Zielläufer für 3:30 suchte, der allerdings im roten Startblock war. Die Organisatoren hatten ihn aus irgendwelchen Gründen vorgeschickt und ich habe ihn zum Glück noch gefunden. Wunderbar.

Während eines kurzen Gesprächs mit dem Zielläufer (Armin, danke!) mal realisiert, dass meine Vorstellung einer 3:30 (die Zeit hatte ich sehr optimistisch angepeilt) bei meinen geringen Trainingsumfängen (dank meiner Masterthesis) schon sehr ambitioniert sind aber ja jeder verschiedene Grundveranlagungen und -ausdauer mitbringt. Die habe ich auf jeden Fall in diesem Sommer gut aufgebaut, wenn auch der Oktober mit gerade einmal 50km in der ersten Hälfte und des Septembers mit insgesamt 142km insgesamt sehr bescheiden waren, aber dessen war ich mir ja bewusst.

Die ersten Kilometer liefen perfekt. Ich hatte ein wunderbares Gefühl, spürte nur eine angenehm leichte Belastung und konnte den 5er Schnitt gut mitgehen. Bei Kilometer 7 grummelte der Magen zum ersten Mal, bei Kilometer 12 wieder, bei Kilometer 17 wusste ich, dass ich irgendwann einmal ein Dixi-Klo aufsuchen muss. Ärgerlich. Nach den 21,1 Kilometern des Nordhalbmarathons in 1:45 geht es nun auf die Strecke des Südhalbmarathons. Perfekt in der Zeit und ich fühlte mich gut, abgesehen vom Magen. Bei Kilometer 22 sehe ich ein Dixi und verlasse den Zielläufer mit seiner Gruppe und begrabe in diesem Moment den Plan der 3:30. Vor allem weiß ich schon in diesem Moment wie schwer es sein wird, ab nun auf mich allein gestellt die richtige Geschwindigkeit konstant zu laufen. Ich sehe zwar noch die 3:30er Gruppe mit den roten Luftballons in einigen hundert Metern Entfernung aber weiß, dass der Versuch, diese Lücke nochmals zuzulaufen, nicht vernünftig wäre. Leider ist es auch danach mit meinem Magen nicht gut und bei Kilometer 30 geht es nochmals zu einem Besuch bei Dixi… wie ärgerlich, meine Beine und die Lunge sind locker und trotzdem kann ich auch danach nicht mehr das Tempo anziehen weil sonst mein Magen irgendwann noch mehr revoltiert.

Ich reduziere die Geschwindigkeit und beginne zu rechnen. Die 4 Stunden müssten eigentlich sicher sein, aber wieviel darunter kann ich noch kommen, was will ich noch erreichen? An der letzten Versorgungsstelle in Steinheim (oder Murr?) gehe ich einige Meter, lasse mir Zeit. Nur nicht mehr überpacen. Wozu auch.

Am Ende laufe ich in 3:44:22 ins Ziel ein und nehme meine Finisher-Medaille in Empfang. In der mHK bin ich 15/30, unter allen männlichen Startern 162 von 343.

Mit dem Wissen, dass ich, ohne die Probleme, von den Beinen und der Kondition vielleicht den 5er Schnitt nicht ganz hätte durchziehen können aber gut und gerne 5 – 10 Minuten weniger auf jeden Fall und ohne Probleme möglich gewesen wären blicke ich auf diesen Marathon zurück. Aber wenn und wäre sind überflüssige Worte, schließlich kämpfen viele Marathonis mit Problemen während der Läufe und die Annahme, dass man selbst besser wäre wenn man diese Probleme als einziger nicht hätte, sind überflüssig. Schließlich ist ja auch das spannende, wie jeder Einzelne seine individuelle Form und Höchstleistung an dem jeweiligen Tag nutzen und erbringen kann.

Jedenfalls war die gewählte Geschwindigkeit von Beginn an optimal weil die gleichen Probleme auch bei einem 5:30er oder 6:00er Schnitt gekommen wären aber ich dann jenseits der 4 Stunden gelandet wäre. Außerdem konnte ich mein Debüt wirklich genießen weil ich keine wirklichen laufbedingten Schmerzen im Sinne von Muskelkrämpfen oder Sehnenproblemen hatte worüber ich wirklich dankbar bin weil ich mich daran wohl ständig erinnern würde.

So ein Marathon ist auf jeden Fall ein Erlebnis wert. Ob ich wieder mal bei einem starte? Muss ich mir noch überlegen, ich weiß es nicht.

So, dass war die Kurzfassung, der lange Bericht kommt noch. Danke für alles Daumendrücken.

4 Gedanken zu „Ein Tag nach meinem ersten Marathon“

  1. Hier auch noch einmal meinen Glückwunsch zum Finish. Schade, dass es nur zu dem kurzen Plausch nach dem Lauf gereicht hat.
    Ich kann leider nicht behaupten, dass der Muskelkater schon nachlässt, aber Donnstag sollte ich auch das gröbste überstanden haben 🙂

  2. Ich habe Riesen-Respekt vor Leuten die einen ganzen Marathon überhaupt durchhalten. Und im ersten Marathon unter vier Std. zu laufen ist doch super, oder?

    Auf jeden Fall, dicke Gratulation von mir!

    Viele Grüße
    Keyvan

  3. Hi Ruben,

    auch von mir herzlichen Glückwunsch zum ersten Marathon-Finish:) die 3:30 zu knacken wäre mein Ziel beim nächsten Mal, wobei ich dafür sicher noch einiges mehr trainieren müsste…mit Magenproblemen die 42 km zu laufen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor; und trotzdem warst Du mehr als ne halbe Minute schneller als ich;)

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