Geplant aber planlos zur Ruine

Irgendwie liest sich für euch wahrscheinlich jeder meiner, sehr spärlichen, Blogposts in der letzten Zeit genau gleich. Gleiche Tonalität, gleiche Gefühle und die gleichen Vorsätze für die Zukunft obwohl es jedes Mal andere Strecken sind.

Am Sonntag war es mal wieder so weit. Aufgewacht und es war tolles Wetter. Super, dann gehe ich heute Nachmittag noch laufe, dachte ich mir… der Nachmittag kam und die Sonne war weg. Aber immerhin: Es war noch trocken und es sah nicht so aus als würde sich dies ändern. Also die Laufklamotten angezogen und kurz nach 15 Uhr ging es los. Ich hatte meine so geliebten Puma Schuhe an die Anfang November ihren ersten Geburtstag gefeiert haben und demnächst auch in den endgültigen Ruhestand geschickt werden. Traurig – es war mein erstes Paar Laufschuhe. Da ich mit meinem zweiten Paar, den Nike Elite bisher nicht komplett zufrieden bin habe sie dann doch öfters angezogen. Jetzt sind sie so langsam, trotz Monaten mit wenig Kilometern, über den Grenzen angelangt wo ich sie noch zum Sport anziehen möchte – aber auch dazu später.

Wie gesagt, 15 Uhr. Das heißt ich habe gemütliche zweieinhalb Stunden Zeit bis es dunkel wird. Da ich (noch) keine Headlamp besitze ist dies auch meine späteste Ankunftszeit. Aber eigentlich will ich nur 16 Kilometer laufen. Die genaue Strecke kenne ich leider nicht genau – mein Laufziel, eine Ruine zwischen Würm und Tiefenbronn – ist bei Google Maps nicht genau eingezeichnet und eine Umgebungswanderkarte besitze ich auch nicht – aber auch dazu mehr ;-).

Los gehts wieder an der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Im Vergleich zum letzten Mal nehme ich diesen kleinen Trampelpfad berghoch dieses Mal um nicht die Straßenseite wechseln zu müssen und durch den Wildpark (und die Sonntagsausflügler) zu müssen. Die Idee ist, naja, durchwachsen. Der Trampelpfad, vielleicht halb so breit wie ein normaler Waldweg ist voll mit Blättern und darunter sind nur Steine oder Wurzeln… eine rutschige Angelegenheit, so im Herbst. Naja die ersten Kilometer bis zum Seehaus (etwa 2,5) läuft es echt angenehm. Aber ab dort kommt unbekanntes Terrain. Als ich das letzte Mal laufen war, war ich ein wenig planlos und drehte am Ende an einer Straße um und stapfte durch einen verwuchterten Waldweg. Kein schöner Gedanke. Aber heute, heute war alles gut. Angeblich 4,5 Kilometer bis zur Ruine Liebeneck. Wäre ja gelacht. Ich war als Kind schonmal bei der Ruine, glaube ich. Ich bin mir relativ sicher. Aber es ist lange her. Eine Kreuzung ist nicht ausgeschildert. Ich bin mir nicht sicher wo ich hinsoll. Geradeaus bin ich schon das letzte mal gelaufen und es war keine gute Idee, also laufe ich dieses Mal links ab. Ich laufe und laufe. Nach 10-15 Minuten sehe ich endlich wieder ein Schild mit den Richtungsangaben. Immer noch 4,5 Kilometer bis zu der Burg Liebeneck. Das ist ein Fall von Dumm gelaufen. Ich habe anscheinend einen Bogen um die Ruine gezogen damit ich auch ja keinen Meter zu wenig laufe. Aber der Herbst heute ist toll. Normal ist er derzeit eher ein Albtraum. Alleine an den Zeiten wann es hell genug ist um zu laufen scheitert es viel zu häufig. Ich muss mir wohl wirklich noch eine Headlamp besorgen. Oder eine gute Strategie überlegen. Mal schauen.

Ach, ich wollte ja über den Lauf bloggen. Wenn ich schon mal wieder unterwegs bin. Also Musik ausmachen und die Kamera von meinem Handy zücken.

der_schwarzwald

noch_mehr_schwarzwald

Ja, der kleine Hügel dort auf dem Bild war in echt irgendwie steiler. Nichts unglaublich schlimmes aber so, wie es im Nordschwarzwald eben ist (wobei ich korrekterweise sagen muss, ich weiß garnicht, ob dieses Waldgebiet überhaupt noch zum Schwarzwald gehört – ich werde es recherchieren!).

wegweiser

Wie man sieht gibt es hier auch genügend Wald welchen man mit großzügigen Wanderwegen durchschneiden kann. Egal ob ich beispielsweise zurückgehen würde geht es nach Pforzheim als auch wenn man rechts geht. Auch zur Ruine Liebeneck kommt man auf zwei verschiedenen Wegen – allerdings war das ein Schild weiter (von welchem ich kein Foto habe – sorry 😉 ). Entweder Rechts ab, 2 Kilometer oder geradeaus 1,4 Kilometer. Ich entscheide mich für die kürzere Strecke – das andere sieht mir sehr nach „Berg umlaufen“ aus … dann doch lieber Höhenmeter mitnehmen.

Nach etwa zehn Minuten zweifle ich an meinem Verstand. Gefühlt müssten die 1,4 Kilometer schon vorbei sein. Aber nun laufe ich einen kleinen Weg entlang der es nicht verdient, als Waldweg bezeichnet zu werden. Dafür ist er zu schmal. Und seit dem Schild mit 1,4 Kilometer zur Ruine Liebeneck habe ich auch nichts mehr gesehen. Vielleicht hätte ich doch den anderen Weg nehmen sollen…. eine Karte mit allen Wanderwegen wäre toll – weil selbst bei Google Earth fehlen viel zu viele der Wege.

Aber da geht mein Blick nach einer kleinen Bergab-Etappe nach Rechts da ein Päarchen Wanderer hier herumläuft und was sehe ich?

liebeneck_aussen

liebeneck_hof

in_den_turm

Ja der Zugang zum Turm ist weder für große Leute geeignet und außerdem mit einem Stahlgitter verschlossen. Aber nichts für ungut. Nach 55 Minuten hinweg vertrete ich mir ein wenig die Füße, schaue mir die, zugegebenermaßen sehr kleine Ruine an und überlege mir wie ich zurücklaufe. Entweder wieder den Berg hoch oder runter in das Würmtal wobei ich mich für das letztere Entscheide da ich dort noch nie gelaufen bin.

rueckweg1

Langsam aber sicher orientiere ich mich immer mehr Richtung Tal um noch ein wenig an dem Fluss entlang zu laufen. Ich merke wie so langsam meine Füße zeigen, dass sie die Beanspruchung nicht mehr gewohnt sind. Das wird wieder anders. Dank fehlendem Trainings und einer degenerierten Hornhaut signalisiert mein rechter Fuß das er auf der Innenseite Blasen bekommt oder ähnliches. Das tut weh – und tut trotdem nichts zur Sache. Schließlich muss ich auch wieder heim.

Nach eineinhalb Stunden Laufzeit mache ich das erste Mal eine Gehpause. Es ist einfach noch ein gutes Stückchen Weg, welches vor mir liegt. Überraschenderweise kommen mir nun wirklich einige Jogger entgegen. Allerdings befinde ich mich wohl für diesen Sport im falschen Lebensabschnitt. Die meisten Herren sind etwa doppelt so alt wie ich und sehen dafür aber bedeutend frischer aus. Wahrscheinlich eine Kombination aus weniger Kilometern und mehr Kondition. Ich kapituliere. Eigentlich wollte ich bis zur Mündung der Würm in die Nagold beim Kupferhammer entlanglaufen und erst dann wieder Richtung Wildpark aber das wären noch weitere zwei Kilometer und wenn ich nun über die Straße gehe gibt es anscheinend einen kürzeren Weg. Den nehme ich. Leider fehlen mal wieder die Beschilderungen auf der anderen Seite der Straße. Ich laufe nach Gefühl (und den Weg, mit dem ich auf jeden Fall ankomme). Tja, so spare ich mir keine zwei Kilometer, vielleicht 500 Meter. Ich sehe von etwa halber Höhe wie die Würm in die Nagold fließt welche nicht viel später in die Enz mündet. Jedenfalls bin ich nun komplett bedient. Durch einen sehr ruhigen Pforzheimer Stadtteil muss ich den letzten Weg meiner Etappe auf Bürgersteigen und Straßen laufen. Sehr unangenehm wobei leider auch die letzten Kilometer entlang der Würm asphaltiert waren. Ein Horror für mich, da ich normalerweise maximal geschotterte Waldwege gewohnt bin.

Nach 2 Stunden und 10 Minuten bin ich wieder am Startpunkt angekommen. Insgesamt waren es heute wohl um die 18 oder 19 Kilometer. Spass hat es auf jeden Fall gemacht. Aber anstrengend war es. Bis Dienstag Mittag hatte ich noch Schmerzen im/am Knie… ich weiß nicht was es ist. Zuerst kommen jetzt mal neue Laufschuhe und wieder die alten Vorsätze in Zukunft wieder öfter und regelmäßiger zu laufen. Hier wird man lesen können, ob es funktioniert. Aber für mich war es, trotz aller Irrungen und WIrrungen, ein sehr gelungener Sonntag-Nachmittag.

3 Gedanken zu „Geplant aber planlos zur Ruine“

  1. Hey, was für ´ne coole Tour -rutschige Holperwege irgendwohin, ganz viel neue Strecke, ein bisschen Leiden, viel Natur und dann auch noch eine Burgruine – genauso gehört Laufen!!!! 🙂

    Das mit der Wanderkarte ist ja wirklich komisch, anscheinend gibt es wirklich keine ordentliche für die Gegend östlich von Pforzheim, nur eine Freizeitkarte im Maßstab 1:50 000:
    http://www.schwarzwaldverein.de/Shop/artikelinfos/K_502.html
    Besser als nichts, aber für die kleine Holperpfädchen ist der Maßstab etwas zu grob.
    Vielleicht würde MagicMaps helfen?

    An diesen alten ausgemergelten Laufmumien darf man sich niemals messen, die sind kein Maßstab… 😉
    Und so wirklich kapituliert ist es ja eigentlich auch nicht, wenn man am Ende 18 oder 19 km gelaufen ist, soviel hab´ ich seit Ende Oktober nicht mehr am Stück geschafft.
    Von daher – prima Tour, wart´ nicht wieder ganz so lang mit der nächsten… 😉

    So

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