Halbmarathon Kandel – Angriff auf die PB

Seit 5 Jahren und 11 Monaten steht meine HM-Bestzeit bei 1:28, gelaufen beim Solitudelauf in Gerlingen bei Stuttgart mit einem negativen Höhenprofil.

Zwei Versuche danach scheiterten – das erste Mal vereitelt durch die Deutsche Bahn in Karlsruhe und das zweite Mal als ich in Stuttgart bei KM15/16 hoch ging.

Aller guten Dinge sind drei und so ging es vergangenen Sonntag mit Teamkollegen in die Pfalz nach Kandel. Neben dem Termin fiel die Entscheidung für den Lauf auch durch seinen Ruf durch das extrem flache Profil sehr schnell zu sein.

Die Vorbereitung war durchwachsen. Hervorragende Einheiten gab es ebenso wie eine mehrtägige Pause wegen Knieschmerzen, welche ich nach einem Tipp mit Gymnastik wieder recht gut in den Griff bekommen habe da die Ursache höher, im Beckenbereich, lag.

Am Wettkampftag schon auf der Hinfahrt von meiner Seite das große Gejammer. So richtig gut fühle ich mich nicht, Phantomschmerzen überall, der Himmel ist grau und vielleicht regnet es doch und die Temperaturen knapp unter 10° Grad machen die Entscheidung ob kurz/kurz oder kurz/lang auch nicht ganz einfach. Die Angst, ein drittes Mal auf den 21.1 Kilometern krachend an der eigenen Bestmarke zu scheitern ist immer im Hinterkopf.

Einlaufen, im Startbereich einsortieren. Keine Musik, kaum hörbare Moderation – wie wir nach dem Rennen mitbekommen ist die Anlage kurz vor dem Start abgeraucht – und schon kommt der Startschuss. Mein ganz großes Glück: Mit Michael und Dietmar habe ich zwei ganz erfahrene und starke Läufer als ganz persönlichen Pacemaker zur Sub 1:25. So klappt es hervorragend mit dem zurückhaltenden ersten Kilometer und nach wenigen Kilometern sind wir voll in der richtigen Pace.

Die Strecke ist schnell, aber unglaublich langweilig. Die unglaublich langen Geraden sind auch eine mentale Herausforderung Dazu gibt es insgesamt ganze zweieinhalb Stimmungsnester auf den 21,1km. Ein Mal beim Ortseingang von Minfeld und dann noch beim einem Ausflugslokal im Wald, wo sich Hin- und Rückweg das erste mal kreuzen.


Quelle: TomTom MySports

Bei Kilometer 17 bin ich der Überzeugung, dass wieder ein Mal die Kraft fehlt durchzulaufen, Dietmar redet mir gut zu, nimmt 2 Sekunden auf den Kilometer raus und zieht mich mit, Halbmarathon ist eine Qual. Kilometer 19 – irgendwie durchhalten. Kilometer 20 – So nahe, und doch noch so weit.

Auf der Schlussrunde im Stadion überholen uns noch zwei Läufer welche die meiste Zeit hinter uns hingen. Das geht nicht. „Sollen wir noch einen Schlusssprint machen, die uns schnappen?“, „Kannst Du gerne machen, ich nicht“ – so ziehe ich noch ein Mal das Tempo an, beginne wirklich einen Schlusssprint, die Gegenkurve ist Nass und rutschig, wirklich bösartig. Ich bekomme beide noch. Endlich im Ziel.

In Kandel zählen für das Ergebnis nur die Bruttozeiten (!) – und das ist eine 1:24:41, Netto eine 1:24:33. Ziel erreicht. Zeit für das nächste Ziel.

Platz 78 (Gesamt), Platz 76 (m), Platz 27 (AK M).

Ganz spannend sind auch die Werte der Pulsuhr:

km 1 2 3 4 5 6 7
Pace 04:05 04:00 04:05 03:57 03:57 03:56 03:58
Puls 153 159 157 159 159 161 161
km 8 9 10 11 12 13 14
Pace 03:56 04:06 03:56 03:57 03:59 04:04 04:00
Puls 160 159 160 160 161 162 163
km 15 16 17 18 19 20 21 22
Pace 03:56 04:03 03:56 04:01 04:01 04:01 03:48 05:10
Puls 163 163 163 163 164 165 167 165

4 Gedanken zu „Halbmarathon Kandel – Angriff auf die PB“

  1. Die Kilometerangaben sehen wirklich sehr, sehr gut aus. So in etwa stelle ich mir ein optimales Rennen vor: Von Anfang bis Ende konstant durchziehen. Da zahlen sich die erfahrenen Pacemaker aus. Ganz herzlichen Glückwunsch zur langersehnten und verdienten Bestzeit!

    Bezüglich der Strecke in Kandel kann ich dir übrigens nur zustimmen: Flach und schnell und gut geeignet, wenn es läuft. Dann kann man auf den langen Geraden einfach seinen Rhythmus durchziehen. Wenn es hingegen nicht läuft, kann man aufgrund der wenigen Zuschauer und langweiligen Strecke aber ziemlich auf die Nase fallen.

  2. Hallo Hannes,
    schön von Dir zu lesen – vielen Dank! Ohne die Zwei wäre es echt nicht denkbar gewesen, da zahlen sich die Lebens- und Wettkampfkilometer doppelt und dreifach aus.

    Du bist dort bisher „nur“ den Marathon als Begleitung gelaufen, oder? Ist auch eine verrückte Veranstaltung, extrem starkes Starterfeld und das obwohl es dieses Mal nicht einmal die Pfalzmeisterschaften waren…

  3. Kandel – oder auch: als ich es psychisch nicht durchgehalten habe. Geht wohl den meisten so.
    Aber spitze gekämpft und die Zeit spricht für sich!

  4. Hallo Markus,
    vielen Dank!
    Jetzt musste ich ich erst einmal die Suchfunktion in Deinem Blog verwenden und schauen, wann Du in Kandel warst – 2014, oder? Deine Beschreibung des Marathons hört sich ja wirklich nochmal schlimmer an, Respekt zu dieser Durchgangszeit – und auch die Zielzeit konnte sich sehen lassen, wenngleich Du Dir damals etwas ganz anderes vorgenommen hattest.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.