Laufbericht – 6 Stundenlauf 2014 Schwäbisch Gmünd

Es war eine recht kurzfristige Entscheidung in diesem Jahr mein 6-Stunden-Lauf Debüt am 24.5. in Schwäbisch Gmünd zu feiern.

So war auch die läuferische Vorbereitung recht überschaubar: Gerade einmal vier längere Läufe im Mai, der mit Abstand längste war über 33km in einer perfekten 5:00er Pace. Was ich dafür sehr konsequent durchgezogen habe waren Liegestütze, Rückenübungen und Sit-ups an jedem Abend – in diesem Fall hat die Erfahrung vom 50km Albmarathon im letzten Jahr klug gemacht. Als letzten Baustein vor dem Lauf ging es mir – weil es eine Benfiz-Veranstaltung zu Gunsten der Demenzstiftung des DRK Gmünd ist – darum, nach Möglichkeit noch einige Sponsoren zu gewinnen, aber darüber habe ich ja bereits geschrieben.

Diese Veranstaltung war für mich eine ganz neue Erfahrung, ich möchte sie nicht missen und hier einige der Eindrücke mit euch teilen.

Die Vorbereitung ganz klassisch: Einige Tage auf Kohlenhydrate verzichten und dann zwei Tage vor dem Lauf komplexe Kohlenhydrate essen.

Freitag Abends alle Sachen packen, inklusive einem Satz Wechselkleidung – der Wetterbericht sieht nicht allzu rosig aus (Regenprognose von 8 bis 12 Uhr, danach soll das Thermometer bis 14 Uhr auf über 20°C steigen) – und der Versuch früh zu schlafen…

…der Wecker klingelt um 5:15 – aber ich bin schon davor „wach“. Eine Mischung aus Vorfreude und Aufregung. Frühstück, zwei Kaffee, ab ins Bad und dann geht es schon los, die etwa einstündige Autofahrt Richtung Bud Spencer Freibad Schwäbisch Gmünd.

Anmeldung erledigt – irgendwie heiße ich Jürgen (zum Glück mittlerweile korrigiert), umgezogen, die Wertsachen in ein Schließfach, den Rest in ein Zelt neben der Strecke und auf den Start warten.

Nicht zu schnell angehen lautet erstmal die Devise. Die Strecke ist unspektakulär: Der Start-Zielbereich befindet sich im Schwimmbad auf einer Liegewiese, von dort aus kommt man durch ein Tor auf einen Gehweg. Auf diesem geht es etwa 1km entlang der Richard-Bullinger Straße, vorbei am Freibad, dem Schießtalsee und einem Tennisverein. Kurz vor dem Werksgelände von ZF Lenksysteme geht es rechts ab, eine leichte Steigung hinauf in ein Waldstück und nochmals rechts ab. Auf einem bereiteren Weg der parallel zur Richard-Bullinger Straße verläuft geht es zurück zum Schwimmbad, der Weg macht einen Bogen, wieder auf einen Gehweg und rechts ab wieder ins Freibad, etwa 200m über Gras wieder in den Start-Zielbereich. Offiziell ist eine Runde mit 2,464km vermessen, über Höhenmeter finde ich nichts, ich habe verschiedenste Schätzungen gehört und bin selbst der Meinung, dass es so ca. 15hm pro Runde sein müssten.

Niko findet sich zufällig als Begleiter für die ersten 5 Runden – er macht hier den 12-Stundenlauf nur als Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften in Berlin. In Rodgau war er deutlich schneller als ich, er hat wie viele andere hier schon eine wahnsinnige Erfahrung an Ultras und kennt alle möglichen anderen Starter. Habe ich erwähnt, dass sich unser Alter „nur“ durch den Faktor 2 unterscheidet? Wir unterhalten uns gut und die erste Stunde vergeht wie im Flug, er hat die Pace wunderbar im Blick. Von Beginn an war angesichts der Restzeit sein Plan, dass er danach seine Geschwindigkeit etwas reduziert. Sein Ratschlag für mich: Das nächste Mal vier Wochen vor so einem Ultra einen Marathon laufen und in der Woche darauf einen Halbmarathon – das hat sich bei ihm wohl bewährt. Am Ende landet er mit über 121km auf Platz 4 (wobei Platz 3 gerade 2 Meter „Vorsprung“ hat).

12-h-lauf-2014-bad-spencer-105
Gemeinsam mit Niko auf einer der ersten Runden. Das Bild ist von Thomas Jack Wanner, den ich eigentlich treffen wollte aber es irgendwie nicht geblickt habe.

Für eine kurze Zeit laufe ich mit dem späteren Sieger Holger Claus zusammen, meine Güte hat der einen gleichmäßigen Schritt, der Wahnsinn. Bei der Siegerehrung erklärt er mir später, dass er sich die gesamte Zeit nur nach seinem Puls gerichtet hat und diesen konstant gelaufen ist und er das Gefälle am Ende jeder Runde nutzen konnte um die Beine zu lockern. Ganz starke Vorstellung.

Um 10 Uhr etwa finde ich mit Thomas einen tollen Mitläufer, der genau das gleiche Ziel wie ich verfolgt. Mir wäre es recht, wenn wird die restlichen vier Stunden gemeinsam durchziehen könnten. Wir überrunden unbemerkt den späteren Drittplatzierten Paul Tezlaw der von seinen bisherigen Bestzeiten (z.B. 50km in 3:46) läuferisch deutlich stärker ist als ich. Nach etwas über einer Stunde verbleibt Thomas etwas länger im Verpflegungsbereich und meint zu mir ich solle weiterlaufen, er komme nach. Das mache ich auch, allerdings mit einem schlechten Gewissen, weil ich ihn dann erst kurz vor Ende wieder sehe. Im Ziel unterhalten wir uns darüber und er erzählt, dass ihm an dem Tag unser gemeinsamer Tempo etwas zu schnell war, aber jedes Mal wenn er die Pace etwas herausgenommen hätte, hätte auch ich mich wieder angepasst und wäre nicht weitergelaufen. So hat er diesen längeren Stop im Verpflegungsbereich genutzt um unsere kleine Laufgruppe aufzulösen um danach wirklich weiter seine Geschwindigkeit laufen zu können.

Die restlichen 3 Stunden laufe ich mehr oder weniger alleine, in Runde 17 einige Zeit mit Andreas (@1026runner / runance) der diesen Lauf als Test für Biel nimmt und danach noch mit Carsten, der seiner Tochter versprochen hat bis zum Ende alles dafür zu geben um einen Pokal zu gewinnen.

Beim zwanzigsten Durchlauf befindet sich ein Mann mit einem herrlichen Weizenbier im Start-/Zielbereich. Ach wäre das schön – bei einem 50km Lauf wäre ich nun (beinahe) angekommen und könnte mir auch ein herrliches Finisher-Bier gönnen. Aber so sind es noch einige Runden, die vor mir liegen. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem zweiten Platz bin, ist mir nicht bewusst.

Schon lange bleibe ich bei jedem Durchgang an der Verpflegungsstation stehen und trinke zwei oder drei Becher mit Wasser, Cola und Iso – gegessen wird während des ganzen Lauf nichts und es funktioniert wunderbar an diesem Tag.

Runde um Runde wird gelaufen, man sieht die Leute immer und immer wieder und beginnt zu rechnen. Was mich wundert ist, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt.

Etwa 35 Minuten vor Ende werde ich vom späteren Sieger überrundet und ein Mal mehr fasziniert mich dieser lockere Schritt – ebenso wie bei Niko und den anderen 12-Stundenläufern.

Leider befindet sich nirgends eine große Uhr mit der aktuellen Zeit oder Rundenangaben und Position, ich laufe ohne GPS und Handy, bin von daher recht Orientierungslos was meine Pace und zeitweise auch meine Rundenzahl angeht. So kommt bei den letzten Durchläufen im Start-Ziel Bereich immer meien Frage „Wieviel Uhr? Wie lange noch?“ da das Ende absehbar ist. Noch knapp 5 Minuten – ein letztes Mal die Kraft mobilisieren und zu einem „Spurt“ ansetzen, schließlich gibt jeder Kilometer fast 9€ Spenden – bis das Stoppsignal ertönt. Wie es das Regelwerk besagt stehenbleiben, hinsetzen, warten bis jemand kommt und die Position erfasst… was dauert.

Ich schaue den 12-Stundenläufern zu, sehe nochmals Niko, höre anerkennende Worte von anderen Läufern wie „Zum Glück sind du und dein Kollege (also Holger Claus) jetzt fertig, wir haben schon befürchtet ihr zieht das Tempo die ganzen 12 Stunden durch“ wobei Holger auf einem ganz anderen Niveau unterwegs war/ist. Es dauert, bis ich erfasst werde und den Rückweg zum Schwimmbad antreten kann. Jeder Schritt fällt schwer. Eine kurze Pause tut gut. Die nette Dame an der Kasse öffnet die Tür am Haupteingang, so ist der Weg zu den Schließfächern bedeutend kürzer, hole meine Wertsachen, gehe Duschen, zum Auto, etwas trinken und eine Kleinigkeit essen und warte auf das offizielle Ergebnis.

Zeitweise wird gesagt, die Strecke hätte 2,5 Kilometer, nach Adam Riese sind das mit 900 Metern in der letzten Runde dann 70,9km und ich schreibe als Tweet „70.9 – Bähm“ – als die offiziellen Ergebnisse veröffentlicht werden ist klar, dass die Runde mit 2,464km angegeben ist, es also ein ganzer Kilometer weniger ist. Egal, auch 69,9 Kilometer sind für den ersten 6 Stundenlauf stark (wobei die „7“ schon sehr schön gewesen wäre – aber die werde ich mir eventuell an einem anderen Tag holen).

Es gibt noch eine Startnummernverlosung bei der ich etwas gewinne und danach gibt es tatsächlich noch eine Siegerehrung mit einem Pokal. Ein Pokal für mich! Der zweite Platz! Mein erster eigener und alleine gewonnener Pokal für eine sportliche Leistung! Ein wenig Stolz bin ich schon, auf die Distanz, die Spendensumme, meinen Pokal und die Platzierung, auch wenn es nur ein kleiner Lauf war.

20140524_151138

Was ich aus diesem Lauf gelernt habe / Optimierungspotentiale:
– 4 Wochen vor so einem Ultra einen Marathon, eine Woche danach einen Halbmarathon
– Regelmäßig Dehnungsübungen
– Konsequent nach Puls laufen oder Uhr nutzen – endlich konstanter werden
– An guten Tagen muss man auch auf diese Distanz & Dauer nichts Essen
– Wir hatten das perfekte Wetter (trocken, bewölkt, max. 20°C)
– Eigene Verpflegung oder lernen, beim laufen zu trinken
– Liegestütze & Rückenübungen sind sinnvoll

Fragen nach diesem Lauf:
– Was ist auf den 50km noch möglich
– Was ist auf der 6h Distanz möglich
– Was ist beim Schwäbischen Albmarathon möglich? Einige Starter des 6 Stundenlaufs haben diesen schon in deutlich unter 4:30 geschafft – ich hatte letztes Jahr eine 5:29 – zwar bei massiven Problemen, aber eine 4:30 hätte ich mir nicht zugetraut, bestenfalls eine 4:45.

Längere Distanzen sind derzeit keine Option. Der Körper muss sich an solche Dinge gewöhnen. Langsam. Und die Lust auf die kurzen, schnellen Distanzen ist wieder da. Zehn Kilometer und Halbmarathon. Das waren die Ziele für 2014. Das sind die Ziele für 2014.

3 thoughts on “Laufbericht – 6 Stundenlauf 2014 Schwäbisch Gmünd”

  1. Glückwunsch zu diesem Lauf
    Glückwunsch zu deinem ersten Pokal
    alles gut
    wie man deinen Zeilen entnehmen kann
    dazu noch ein gutes Werk getan !

    Runden laufen ist nicht das Verkehrteste
    finde ich auch
    weil man immer im Geschehen ist

    Lass‘ dir Zeit für nächste Abenteuer
    und gute Erholung

  2. Das klingt doch super. Interessant, wie viele Leute man bei so einem Lauf kennen lernt. Glückwunsch noch einmal zu dem Ergebnis, „Jürgen“ 😉

    Mit der Distanz kannst du dich definitiv sehen lassen und dann ist für die „Kurzdistanzen“ wie 50 km ja durchaus noch etwas drin.

    – Und auch schön, dass du vernünftig bleibst. Jetzt gleich einen 100er hinterher und immer weiter, wäre wohl wirklich etwas zu viel des Guten.

  3. Danke für diesen Bericht! Ich werde mal mit Liegestütze, Rückenübungen und Sit-ups beginnen – und dann im Frühjahr 2015 auch einen 6-Stunden-Lauf versuchen. Aber auf keinen Fall mit so einem Horror-Tempo… Boah ey! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.