Bin ich noch ein Läufer?

Mein linker Oberschenkel ist immer noch nicht gut. In den vier Monaten seit meinem Sturz bin ich weniger als 50km gejoggt. Insgesamt.

Zeit und Ruhe brachten also keine Verbesserung. Das hatte mir der Chirurg geraten, als er – im Rahmen der Abschlussuntersuchung meiner Hand – netterweise auch noch kurz meinen Oberschenkel untersuchte.

Mit Verlaub: Ich halte Nichtstun und hoffen für eine unbefriedigende Therapie.

Mein Hausarzt hat mich nun zum MRT und einem Orthopäden überwiesen. Nächste Woche habe ich die Termine beim Radiologen und anschließend bei einem Spezialisten, den die Triathlon-Teamkollegen empfohlen haben. Er ist wohl ein hervorragender Diagnostiker.

Den einzigen Sport, den ich aktuell konsequent betreibe ist zwei Mal in der Woche zwei bis drei Kilometer zu schwimmen. Nicht zu laufen und dafür regelmäßig zu Schwimmen? Vor eineinhalb Jahren war das noch eine unvorstellbare Vorstellung.

Schlimm ist, dass ich durch diese Verletzung auch träge geworden bin was das Training der Stabilität oder der Grundlagenausdauer auf der Rolle angeht.

Die Idee zum Jahresabschluss noch beim Silvesterlauf über 11km zu starten rückt damit in immer weitere Ferne.

Vollbremsung 

Ursprünglich war der Plan in diesem Jahr noch eine richtige Mitteldistanz zu machen und eigentlich hatte ich mich bereits für Ulm entscheiden.

Anfang Juli hatte ich leider mit meinem Rennrad einen Sturz. Die Situation war eigentlich recht harmlos – ein gut ausgebauter Radweg an einem trockenen Tag. Vom Hang waren Dreck in drei circa ein Meter breiten Streifen über den gerade und ebenen Weg gelaufen weswegen ich rechtzeitig abbremse und langsam darüber rollen will. Leider ist der Untergrund wie Schmierseife und es nimmt mir die Räder weg und ich finde mich auf dem Boden wieder.

Erster Check: Klar, dreckig. Handinnenfläche blutet, Brems-/Schalthebel verbogen, eine Weiterfahrt ist so nicht möglich. Erst langsam merke ich neben den Schmerzen die stark eingeschränkte Beweglichkeit meines rechten Armes inklusive Hand.

Also mit dem Handy meine Frau angerufen und mich abholen lassen. Daheim duschen und dann ab ins Krankenhaus. Notfallchirurgie. Röntgen. Gipsen. Am nächsten Tag zum Hausarzt und Chirurgen. Eine Woche später zum MRT und wieder zum Chirurgen. Frakturen im Handgelenk und Ellenbogen, das Band zwischen Elle und Speiche angerissen. Aber ich bin dankbar: Eine Operation ist nicht nötig und wir haben hier in Deutschland wirklich eine gute Krankenversorgung (auch wenn man warten muss und und und) und Absicherung…

Nach vier Wochen kommt der Unterarmcast (der Ellenbogen war nur für eineinhalb Wochen mit im Gips) ab und für weitere zwei Wochen trage ich eine Orthese von Bauerfeind, mit der ich sogar wieder joggen oder schwimmen darf und die Krankengymnastik beginnt.

Nach der der Entfernung des Gipses war ich natürlich erst mal wieder laufen. Leider war die kurze Runde sehr ernüchternd: Die Kondition ist hinüber und, viel schlimmer, ich habe Schmerzen im linken Oberschenkel, wie ich es bereits beim Bericht über die Vorbereitung zur Challenge Heilbronn geschrieben habe. Ein weiterer Versuch eine Woche später führt zum selben Problem.

Beim abschließenden Termin wegen der Hand spreche ich mit dem Chirurgen darüber. Er schaut sich den Oberschenkel an und meint, dass es wohl mindestens eine Muskelzerrung ist und ich möglicherweise kurz vor einem Muskelfaserriss stand und auch eine 4-wöchige Pause nicht unbedingt ausreicht. Offensichtlich habe ich auch hier nicht auf die Warnsignale des Körpers gehört.

Heute ist die Beweglichkeit wieder sehr gut, ganz schmerzfrei ist die Hand natürlich noch nicht und auch die Kraft fehlt noch – es ist faszinierend, wie schnell Muskeln abbauen und man sogar am Unterarm abnehmen kann. Ansonsten habe ich in dieser kurzen Zeit ganz ohne Sport leider ein paar Kilogramm zugenommen und ich hoffe, dass diese auch wieder verschwinden, wenn es mit dem Sport wieder vorwärts geht.

Nun werde ich die Beine erstmal noch schonen und dann langsam wieder beginnen – inklusive Stabi- und Dehnübungen, langsamer Kräftigung der Muskeln und behutsamen Steigerung der Intensitäten.

Damit ist die Triathlonsaison 2016 beendet.

 

Mitteldistanz-Debüt – Challenge Heilbronn 2016


24 Wochen Vorbereitung auf das eine Ziel, einen Mitteldistanz-Triathlon zu finishen.

Die erste Ernüchterung kam vor einigen Wochen bei Veröffentlichung der Starterlisten: Als Neuling wurde meine anvisierte & gemeldete Zielzeit ignoriert („Zur Bildung der Startgruppen werden verschiedene Faktoren wie bisherige Triathlons, Altersklasse, Sponsoren (!),… berücksichtigt.“) und ich im letzten Block einsortiert. Somit war sicher, dass ständige Überholvorgänge zum Rennen gehören werden.

Die zweite Ernüchterung kam wenige Tage vor dem Start: Durch die Regenfälle der letzten Wochen ist die Wasserqualität im Neckar so schlecht, dass der Veranstalter aus dem Triathlon einen Duathlon machen musste. Als Ersatz für die 1,9km Schwimmen ging es als erste Disziplin auf eine 5km Laufrunde (die tatsächlich etwas kürzer war), um das Starterfeld für die Wechselzone zum Rad zu entzerren.

Mit der Hilfe von Teamkollegen hatte ich mir eine Rennstrategie zurecht gelegt: Die 5km zurückhaltend laufen, auf dem Rad die erste Stunde einen guten Rhythmus finden, beim abschließenden Halbmarathon die ersten 7km zurückhaltend laufen und in den letzten zwei Dritteln das Tempo falls möglich anziehen.

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Mitteldistanz Trainingsplan – Build & Peak

Vierundzwanzig Wochen neigen sich dem Ende zu. Die längsten Trainingseinheiten sind erledigt, in der Woche vor dem Wettkampf geht es nur noch um Material testen, Lockern, Körpergefühl und Selbstvertrauen tanken.

Im Großen und Ganzen bin ich mit der Umsetzung des Trainingsplans zufrieden, auch wenn ich zugegebener Maßen in den meisten Wochen die eine oder andere Einheit modifiziert oder sogar gelassen habe.

Die Umfänge (im April >400km Rad, 160km Laufen, im Mai >650km Rad und 140km Laufen, dazu noch das regelmäßige Schwimmen) waren für meine Verhältnisse und Situation schon enorm. Trotzdem habe ich es geschafft, zuzunehmen. Irgendwas ist dort bei mir wohl ganz falsch gelaufen.

Bei den langen Koppeleinheiten hätten es noch ein oder zwei mehr sein dürfen oder müssen. Bei den durchgeführten Einheiten lief es bei manchen sehr gut und bei anderen, vor allem wegen Ernährung oder zu hartem Training an den Tagen davor, gar nicht. Auch das Stabiprogramm und Dehnen habe ich in der Mitte der Vorbereitung zu sehr vernachlässigt und erst zum Ende hin wieder intensiviert. Das sind aktuell auch die zwei größten Risikofaktoren…

Trotz alledem weiß ich, dass die Grundlage stimmt und ich mich durch das Training – vor allem in den ersten beiden Disziplinen – verbessert habe.

Respekt, Selbstvertrauen, Spannung, Freude

Respekt habe ich, weil natürlich so einiges schief gehen kann auf diesen 117 Kilometern ( 1,9 – 94 – 21,1 ). Physis, Technik, Wetter, Teilnehmer oder Zuschauer können mir einen Strich durch die Rechnung machen. Ebenso habe ich aber auch das Selbstvertrauen, dass diese Herausforderung im Normalfall gut machbar ist. Voller Spannung erwarte ich, wie der Tag abläuft. Der Massenstart zum Schwimmen im Neckar mit 200 anderen Triathleten, der große Wechselbereich, die abgesperrte Radstrecke und dem abschließenden Lauf mit hoffentlich einem tollen Zieleinlauf in Mitten in der City und natürlich die Frage nach der Zielzeit – wobei es bei einem Debüt vor allem darum geht, gut durchzukommen. Man rechnet ja doch. Voller Freude erwarte ich die Zeit nach der Challenge Half. Einfach mal wieder ohne Trainingsplan die Tage und Wochen verplanen…

Der erste Sprint-Triathlon

Im Rahmen meiner Vorbereitung für die Mitteldistanz in Heilbronn bin ich vor drei Wochen mit Vereinskollegen des SV Bietigheim in Rheinfelden nahe der Schweizer Grenze bei der Sprintdistanz gestartet.

Da die Veranstaltung nun schon einige Zeit zurück liegt, hier die ganz kurze Fassung:

Schwimmen: Das Wasser war erst einige Tage zuvor in das Becken eingelassen worden und deswegen extrem kalt. Die meisten starten in Neos – ich nicht. Der Modus ist ein Jagdstart, alle 20 Sekunden springt ein Teilnehmer in das 50m Becken. Ich komme nie richtig in den Rhythmus. Es rächt sich, dass ich keine Rollwende kann und mich normal am Beckenrand kurz festhalte & abstoße – in Rheinfelden sind beide Seiten bis zu den Startblöcken 30cm über Wasserhöhe mit Edelstahl verkleidet. Ich schlage also an und drehe mich irgendwie eiernd im Wasser um… werde von vier oder fünf Teilnehmern überholt und bin froh, als die Qual nach schier endlosen 13 Minuten vorbei ist. Über eine Minute langsamer als 2 Wochen zuvor beim Swim & Run / Bike & Run in Backnang bedeuten nur Platz 97 / 114.

W1: Die Laufstrecke vom Schwimmbad bis ins Stadion zur Wechselzone ist relativ lange. Immerhin ist es von den Temperaturen angenehm, das Rad ist schnell gefunden und der Wechsel verläuft ganz gut.

Rad: 21,5km Strecke und 300 Höhenmeter auf 2 Anstiegen – das könnte mir liegen, vor allem weil Windschattenverbot herrscht. Obwohl ich nach dem Schwimmen meine Zweifel habe, ob ich überhaupt noch etwas rausholen kann, versuche ich es wenigstens. Zu Beginn des ersten Anstieges (Mein Gehirn warnt mich: Achtung, der ist laut Ausschreibung und Erzählungen von Teamkollegen relativ steil) hänge ich schnell am Hinterrad eines anderen Fahrers und überhole ihn unverzüglich. Kurz danach merke ich die Steigung, verlangsame mein Tempo und denke „Shit – der hat mich gleich wieder“ – drehe mich um und sehe, welch Überraschung, einen recht ordentlichen Abstand. Also nun nicht übertreiben, das eigene Tempo gehen und weitermachen… insgesamt überhole ich mehr als ich überholt werde, vor allem bei der zweiten Steigung, das Bergtraining für Heilbronn macht sich wohl bezahlt… Ab der zweiten Abfahrt hänge ich mit dem vorgegebenen Abstand hinter einem anderen Fahrer. Um ihn abzuhängen bin ich zu langsam aber andersrum ist es ebenso. Mit einer Radzeit von 40:36 geht es in die Wechselzone. Die Zeit ist im guten Mittelfeld – und das mit meinem Rennrad aus Stahl während viele mit Renn- oder sogar Triathlonrädern aus Carbon unterwegs sind!

W2: Dieses Mal geht es von der anderen Seite in die Wechselzone. Schlecht, weil ich eine Reihe zu früh abbiege und somit konsequenter weise meinen Stellplatz nicht finde. Also rüber auf die nächste Reihe, ich suche meine Schuhe, finde Sie nirgends als wäre meine Sicht blockiert. Ein Streckenpfosten steht herum, redet irgendetwas… erst jetzt sehe ich, dass er direkt auf meinem Platz steht und mir die Sicht versperrt. Toll, das hat sicher einige Sekunden gekostet. Das Schuhe anziehen dauert – ein Schnellschnürsystem wäre doch ganz gut. Also noch mehr Zeit verloren.

Lauf: Heraus aus dem Stadion, 2 Runden á 2,75 Kilometer, ganz eben parallel zur Straße und über Feldwege. Normal würde ich sagen: Locker, läuft. Aber die Radstrecke und eine harte Beinmuskulatur vom Vortag (Renovieren – Boden & Sockelleisten verlegen) machen die Geschichte sehr zäh. Durch den Jagdstart fehlt mir sowieso der Überblick, wer vor oder hinter mir platziert ist, was das kämpfen noch mehr erschwert. Nach nicht zufriedenstellenden 23:10 komme ich in das Ziel, wo meine Teamkollegen auf mich warten. Auch sie haben gesehen, wie sehr ich beim Laufen gelitten habe – aber egal, hauptsache ordentlich angekommen.

Fazit: Der erste Triathlon – ich war mit super Teamkollegen am Start, es war hart, es hat Spaß gemacht, ich bin durchgekommen, belege am Ende in der 3. BW-Liga Platz 71 von 111, die Zeitdifferenz zu dem Platz vor mir ist exakt was ich in W2 verloren habe, mit einer Schwimmzeit wie zwei Wochen zuvor in Backnang wäre ich sogar auf Platz 62 gekommen. Aber das ist alles nur Zahlenschieberei und Theorie. Am Ende war es vor allem eine kurze, intensive und lehrreiche Veranstaltung. Als nächste Veranstaltung kommt in drei Wochen mein sportliches Highlight für diesen Sommer, die Mitteldistanz in Heilbronn.