Road to IM70.3 in Kraichgau: Meine Premiere auf der Olympischen Distanz in Ingolstadt

Zwei Wochen vor meinem absoluten Highlight in diesem Jahr, dem Ironman 70.3 in Kraichgau, stand am letzten Mai-Wochenende als Vorbereitung ein Start über die klassische OD (1,5 / 40 / 9,8 ) auf dem Plan. Die Vorhersage für das Wetter lautet um die 30 Grad und sonnig. Nicht die einfachsten Bedingungen, aber Starkregen und Wind bei unter 10 Grad wären mir persönlich noch weniger Recht.

Nach zwei Sprintdistanzen in der Liga mit Jagdstart und einer falschen Mitteldistanz (Duathlon nach Absage des Schwimmens) beinhaltete diese Veranstaltung für mich sowohl den ersten Massenstart als auch das erste Freiwasserschwimmen im Wettkampf in meiner noch sehr jungen Triathlon-Vita.

Die wohl besten Teamkollegen der Welt haben mich beruhigt und mir sehr gute Tipps für die Startphase ab dem Strand gegeben – ebenso beruhigend war das Wissen, dass Manu (einer dieser besten Teamkollegen) gemeinsam mit mir an der Startlinie steht und wir dieses Rennen gemeinsam bestreiten. Auf Grund der Entfernung sind wir bereits am Vortag angereist, haben die Startunterlagen abgeholt und die Räder eingecheckt. Was man sofort merkt: Diese Veranstaltung in Ingolstadt ist kein Triathlon der kurzen Wege. Vom Parkplatz bzw. Abstellplatz des Autos bis an den See ist es ein gutes Stück und auch dort ist die Ausschilderung nicht überragend. Hinzu kommt, dass die Ausgabe der Startunterlagen ein ganzes Stück von der Wechselzone entfernt ist – bis alles erledigt ist sammelt man einige Kilometer.

Nach dem Einchecken geht es zum Hotel und einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen mit dem gesamten Tri Team. Vor dem Schlafen gehen sortiere ich nochmals die gesamte Ausrüstung und was ich für wann brauche. Die TomTom, welche ich in den letzten Monaten stets getragen habe, habe ich bereits am Freitag Abend aufgeladen. Wie ich am nächsten Morgen feststelle hat sich die Spark innerhalb der eineinhalb Tage auf wundersame Weise selbst entladen, weswegen ich – entgegen meiner Planung – die Strecke ohne Uhr und Pulssteuerung angehe.

Die Nacht ist nicht so erholsam wie sie sein sollte, ich schlafe nicht durch, sondern wache regelmäßig auf. Kurz vor Sechs Uhr ist für meinen Teamkollegen, der sich mit mir ein Doppelzimmer teilt, die Nacht vorbei – er startet bereits kurz nach acht Uhr auf der Mitteldistanz während wir für die Olympische Distanz erst um 10:35 Uhr an der Startlinie stehen müssen. Dementsprechend muss er früher am Veranstaltungsort sein. Ich bleibe noch ein wenig liegen bevor ich aufstehe, mich fertig mache und ebenfalls zum Frühstück gehe. Kaffee und zwei Brötchen, alles ins Auto und los geht’s.

Pünktlich zum Start der Mitteldistanz sind wir am See und bestaunen den Massenstart, feuern unsere Teamkollegen an bevor wir unsere Wechselzone nochmals prüfen und final einrichten. Soweit alles gut. Nur den Clips bei meinem Startnummernband traue ich nicht. Schon ewig wollte ich ein anderes Band kaufen, aber so selten wie ich an Veranstaltungen teilnehme hatte das nie Priorität. Zur Sicherheit wollte ich am Vortag eigentlich noch Sicherheitsnadeln organisieren, aber in der ganzen Pre-Race-Stimmung habe ich es vergessen und nun ist es zu spät. Wird schon klappen. Als wir fertig eingerichtet sind können wir in der Wechselzone 1 unsere Mannschaftskameraden anfeuern die ihre 2km Schwimmen bereits hinter sich haben und alle zusammen richtig gut unterwegs sind.

Danach geht es nochmal zur Startunterlagenausgabe samt Triathlonmesse (eine richtige Toilette, kein Dixie) und ich nutze die Gelegenheit auf der Triathlonmesse nun endlich für das nächste Mal (Kraichgau) bei Sailfish ein neues Startnummernband zu erwerben.
Danach heißt es auf die Wettkampfbesprechung und den Start zu warten. In der Zwischenzeit ziehe ich meinen ORCA TRN, einen Triathlon-Neo der Einstiegsklasse, den es exklusiv bei Wiggle gibt und ich vor einem halben Jahr gekauft habe, an. Einschwimmen ist nicht bzw. geht nur in dem 5-minütigen Zeitfenster zwischen dem Start der ersten Welle und uns, wobei in dieser Zeit alle Athleten noch über eine Brücke zur Startbucht laufen müssen. Ein Platz am Rand des Starterfelds gesucht. Nun beginnt das Kopfkino. Was mache ich eigentlich hier? Das Adrenalin steigt. Und schon kommt das Startsignal für die zweite Startwelle auf der olympischen Distanz und mit etwa 150 anderen Athleten renne ich ins Wasser und gehe auf die Reise zur ersten Boje, welche, anders als alle anderen, links liegen gelassen wird. Es ist zwar eng, aber die befürchteten Schläge und Tritte bleiben aus und ich versuche immer im Wasserschatten anderer Schwimmer zu bleiben, was mal mehr und mal weniger gut gelingt. Zeitweise schwimme ich einige Meter weiter rechts als alle anderen – zickzack eben. Das Gefühl ist nicht so gut, im Gegensatz zu meinem im Training üblichen Dreierzug bin ich zu Beginn die meiste Zeit im Zweierzug unterwegs. Außerdem riecht das Wasser nicht wirklich frisch. Und ganz langsam läuft dann auch noch ein wenig Wasser in meine Brille, so dass ich mich zwischen der zweiten und dritten Boje kurz auf den Rücken drehe und das Wasser herauslaufen lasse bevor es im Kraul weiter geht. Die Brille ist im Freiwasser etwas blind – anscheinend die Alterung – und ich muss mich sehr an den Mitschwimmern orientieren. Die Strecke zieht sich und ich frage mich wie ich das Tempo durchhalten soll, es ist schon eine große Herausforderung. Aber irgendwie geht es und es sind deutlich weniger Schwimmer vor mir als gedacht. Endlich geht es wieder Richtung Ufer, der Bogen des Ausstiegs wird immer größer. Ich versuche zu früh aufzustehen und verliere Sekunden – wie ich später erfahre ist es am klügsten zu Kraulen, bis man die Rampe bzw. Gummimatte mit den Händen greift. Aus dem Wasser heraus, Schwimmbrille abziehen und der erste Versuch den Neo zu öffnen.

Beim ersten und zweiten Mal bekomme ich es nicht richtig hin, dann habe ich auch meinen Bändel in den Händen und öffne den Reißverschluss auf dem Weg in die Wechselzone. Aber ich bekomme den Neo nicht über die Brust, warum? Erst beim zweiten Mal nachgreifen merke ich, dass der Klettverschluss sich oben wieder geschlossen hat. Ich bin beim Fahrrad, der Neo geht nun eigentlich ganz schnell runter und ich schmeiße ihn wie vorgeschrieben sauber in die große Edeka-Tasche und ziehe sofort die Startnummer um. Da passiert es – ein Plastikclip fliegt weg. Verdammt. Meine Startnummer hängt nur noch an einem Clip. Verliere ich meine Startnummer während des Radfahrens oder Laufens ist das ein Grund für eine Disqualifikation. Das Kopfkino beginnt. Ich auf den Knien, suche nach dem zweiten Clip, taste alles ab. Eine Ewigkeit vergeht und ich finde ihn nicht. Wie auch, hier auf dem Rasen. Gut, ziehe ich mich erstmal fertig um und suche dann ein weiteres mal. Also Socken und Schuhe an, Helm und Brille auf und nochmal auf den Boden. Wieder erfolglos. Egal, dann gehe ich Risiko, wenn es deswegen ein DNF wird, dann ist es so. So gut wie möglich klemme ich die Startnummer noch unter das Gummiband, nehme mein FELT und renne aus der Wechselzone.
Hier ist ein wenig Chaos – ein kleiner Weg und manche Leute die mit dem Aufsteigen bzw. Einklicken überfordert sind – bevor es auf die flache, schnelle 40km Strecke geht. Die Strecke ist unspektakulär schön, gute Straßen, gute Absicherungen, doch mehr Wellen als gedacht aber mit wenigen Stellen an denen gebremst werden muss. Perfekte Zutaten für einen schnellen Rad-Split.

Herrlich. Das Ingolstädter Umland ist wirklich schön und das warme Wetter stört zur jetzigen Zeit noch gar nicht. Trotzdem bin ich froh, sowohl auf dem Auflieger meine Aero HC von Profile Design und eine weitere Trinkflasche im Sattelhalter zu haben und so genügend Flüssigkeit zu mir nehmen kann. Nur ein einziges Mal kommt eine kurze Rumpelstrecke als wäre die Straße aufgefräst worden. Warum hier die Streckenposten keine Warnung geben verstehe ich nicht… Ich bin die allermeiste Zeit in der Aero-Position, kann gut überholen und werde selbst nur von sehr wenigen überholt was auf jeden Fall ein gutes Zeichen ist. Hin und wieder greife ich nach hinten um die Startnummer wieder etwas mehr unter das Gummi des Startnummernbands zu schieben. Zum Ende der Radstrecke wieder in kleinere Gänge schalten um die Beine zu lockern. Auf dem letzten Kilometer besteht Überholverbot weil es relativ eng ist und nun die Starter der Sprintdistanz entgegen kommen. Einige Fahrer vor mir trödeln wodurch sich ein gemeinsamer Pulk in die Wechselzone schiebt.
Schuhe aufmachen, runter vom Rad, Stellplatz gleich gefunden, Helm und Brille ab, nochmal ein Schluck getrunken, in die Laufschuhe, Visor auf, Startnummer nach vorn und los geht’s auf die zwei Runden um den See. Irgendwie läuft es. Nicht locker und nicht schnell, aber ich versuche irgendwie ein Tempo zu gehen das ich mir für 9,8 km zutraue. Ich habe ja „nur“ mein Körpergefühl. Keine Uhr, keinen Puls, keine Zwischenzeit. Es wird zäh, warm, viele Leute auf der Strecke und die Frage „warum mache ich das“ wechselt sich ab mit „gleich habe ich es geschafft, und es ist glaub ganz gut“. Hin und wieder schaue ich einfach auch nur in der Gegend herum.

Zwei oder drei Mal laufe ich auf Starter mit roten Startnummern (olympische Distanz, gleicher Startblock) auf und versuche sie sofort hinter mir zu lassen – das sind sichere Platzierungsverbesserungen – und nutze jede Verpflegungsstation. Heute merke ich ein weiteres Mal, wie lange 10km sein können, vorbei an der vorletzten Verpflegungsstation, nochmal zwei Schwämme nehmen für Gesicht und Oberkörper, noch einen letzten Bogen um den See, da hinten muss das Ziel sein und dann rechts in den Zieleinlauf. Froh das Ziel erreicht zu haben sehe ich die Uhr, welche 12:49 anzeigt was für mich ein Finish in Sub 2:15 bedeutet.

Nun heißt es nur noch erholen, die Verpflegung zu genießen (unter anderem Kaiserschmarrn mit Apfelstrudel), auf die Teamkollegen zu warten und zu hoffen, dass diese auch alle ein gutes und gesundes Rennen hatten.
Da ich während des Rennens keine Zeitmessung hatte war ich umso mehr auf die Auswertung der einzelnen Zeiten gespannt.

Die einzelnen Zeiten:

Was beim Schwimmen los war (1,5km in 23:08) kann ich mir nicht erklären – eine für meine Verhältnisse überragende Leistung die ich möglicherweise niemals mehr wiederholen kann, bestenfalls hätte ich optimistisch mit einer 25:xx gerechnet. In der ersten Wechselzone war ich mit knapp 4 Minuten mindestens 60 – 90 Sekunden langsamer als alle anderen Starter – natürlich, durch diese Startnummernband-Geschichte. Das ist auch der einzige Punkt warum ich den Triathlon Ingolstadt nicht als perfektes Rennen verbuchen kann.
Die 40km auf dem Rad habe ich in unter 1:05 mit einem Schnitt über 37 km/h bewältigt. Der zweite Wechsel innerhalb von 1 Minute war dann schon wieder richtig gut. Das abschließende Laufen der 9,8km in 41:24 was einen 4:13er Schnitt bedeutet war offensichtlich auch deutlich schneller als gefühlt. Wobei, vielleicht hätte ich hier noch ein wenig mehr Druck machen können. Ein äußerst schneller Teamkollege, der seine Mitteldistanz bereits gefinisht hatte und vor mir im Ziel war meinte, mir würde es zu gut gehen – nach einer Olympischen Distanz müsste man richtig zerstört sein. Das nächste Mal dann.

Dieses Mal wurde es der 48. Platz (Gesamt), 46 / 507 (Männern), 9 / 87 (AK 30 M).

Ich hätte es nie gedacht – aber ich habe tatsächlich Spaß an der olympischen Distanz gefunden. Kraichgau kann kommen. Wobei das nochmal eine ganz andere Herausforderung wird.

2 Gedanken zu „Road to IM70.3 in Kraichgau: Meine Premiere auf der Olympischen Distanz in Ingolstadt“

  1. Wow, einfach unvorstellbar diese Leistung.
    Alleine schon nicht zu ertrinken und dann so schnell rad zu fahren.,
    Daumen hoch!

  2. Hallo Ruben, das sind ja spitzen Zeiten die Du da hinlegst. Bin schon gespannt auf Dein Bericht über den IM Kraichgau.

    viele Grüße -timekiller-

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