Solitudelauf Gerlingen – Mein Halbmarathondebüt

Zwölf Wochen Vorbereitung – für diesen einen Tag.
Mein erster Lauf über offiziell vermessene 21,1km.
Mein Ziel: Höchstens 90 Minuten.
Meine Vorbereitung: Zehn Wochen mit Trainingsplan.

Die Woche davor:
Dienstag und Mittwoch Low Carb. Harte Sache.
Donnerstag, Freitag und Samstag: Komplexe Kohlenhydrate – soweit es geht.
Samstag Abend. Früh ins Bett. Oder doch nicht.
Nochmal alle Laufsachen checken.

Sonntag Morgen: Kurz vor 6 aufstehen.
Kaffee. Zwei dünne Scheiben Brot mit Marmelade.
Laufsachen zusammenpacken. Alles ins Auto verfrachten.
Anfahrt nach Gerlingen.

Startunterlagen abholen – viel zu früh.
Nochmal zum Auto.
Die Strecke im Kopf durchgehen:
4km leicht bergab, anschließend bergauf, nochmals bergab, bergauf, ab km17 richtig bergab.
Mit dem Bus in den Startbereich fahren.
Warmlaufen.

9 Uhr 35. Noch 5 Minuten.
Im Startbereich stehen.
Dieter Baumann sehen.
Ich wundere mich wieviele Leute vor mir stehen.
Mindestens 60. Das sind zu viele – letztes Jahr waren es nur 30 mit Sub90.

Ich sehe Armin – den Paceläufer auf meine Maximal-Zielzeit.
Er steht auch ganz vorne.
Ich stelle mich zu ihm – nur nicht zu schnell starten.

Es geht los. Erstmal Leute überholen, Slalom.
Vorbei am Schloss Solitude.
Kilometer 1, 2, 3.
Es läuft locker.
Höhenmeter? Kein Thema.
Geschwindigkeit? Locker, aber voll in der Zeit.
Nach Kilometer 6 oder 7 wird es mir zu viel Getummel um Armin.
Ich setze ich ein paar Meter nach vorne ab, aber immer ihn im Rücken.
Noch nicht zu schnell werden.

Ich finde einen Mitläufer. Angenehm. Ziel auch Sub90.
Wir unterhalten uns über seine und meine Läufe.
Und das ich doch ganz ordentlich vorbereitet bin für mein Debüt.
Er läuft ganz andere Sachen. 2011 Biel. Dieses Jahr den Blackforest Trail Run.
Dinge die mich auch reizen. Irgendwann.

Die Getränkestellen lasse ich alle links liegen.
Auf den kurzen Strecken trinke ich nie was. Warum auch.
So langsam erhöhe ich mein Tempo, aber nur leicht.
Ich habe mein Handy dabei aber zu früh gestartet.
Ich habe keine Zeit, muss immer andere fragen.
Kurze Zeit laufe ich alleine.

Treffe auf den nächsten Läufer.
Kilometer 14. Zeit? Perfekt: 59:37.
Bedeutet gleichzeitig, dass ich nicht deutlich unter die 1:30 komme.
Auch in Ordnung.
Drei weitere Kilometer laufen wir gemeinsam.

Dann geht’s bergab. Ich gehe mein Tempo.
Versuche herauszuholen was geht.
Ich dachte es geht mehr.
Kilometer 18 – Schock!
Mitten im Wald geht es nochmals eine Rampe hoch.
Das Streckenprofil wohl nicht gut genug angeschaut.
Die Motivation ist mal ganz kurz ganz weit unten im Keller.
Einfach durch.
Kilometer 19.

Ich höre die Kirchenglocken in Gerlingen.
Nun fängt die Rechnerei an:
Start hätte um 9:40 sein sollen.
War aber ein, zwei Minuten später.
Kirchenglocken läuten um 11 Uhr.
Aber wie lange? Was heißt das für meine Zielzeit?
Rechnen ist belanglos. Laufen ist wichtig.

Ich laufe an Schrebergärten vorbei.
Sehe vor mir 3 Läufer. Sehe sie schon ewig.
Würde sie gerne einfangen. Bekomme sie nicht mehr.
Viel zu weit enteilt. Am Ende trennen uns 20 – 22 Sekunden.
Durch ein Wohngebiet.
Ich grüße auch jetzt noch die Leute. Das muss sein.
Kurvenlaufen.

Wann kommt endlich das Ziel?
So groß kann Gerlingen doch gar nicht sein.
Das wird ne Sub90, aber nicht deutlich.

Ich laufe ums Eck, auf die Hauptstraße.
Absperrung, Ziel vor Augen und dort zählt die Uhr.
1:27… WHAT?
Ich beginne zu rennen. Große Schritte. Alle Energie.
Die Sieben, die soll vorne stehen. Muss!
Ich höre den Moderator, er sagt meinen Namen. Wie geil.
56…
57…
durch.
Nach dem Ziel ein paar Schritte gehen und den Chip vom Fuß wegmachen.
Ein älterer Herr kommt zu mir.
Sagt nur:
„Es hat gereicht“
Großartig. Ich strahle. „Danke!“
Etwas Ensinger trinken. Dehnen. Eine Banane Essen. Mehr trinken. Wie gut.

Das wars. Mein erster Halbmarathon. In 1:27:59.
Vor einem Jahr für mich noch eine Fabelzeit.
Die zu Jahresbeginn angepeilte Zielzeit um 2 Minuten unterboten.
Platz 10/40 in der AK. Platz 36/426 GesamtM.
Treffe die Wegbegleiter. Gratulieren uns gegenseitig. Das tut gut. Gemeinsame Freude.

Und nun?

Werde ich wohl wieder einen Halbmarathon laufen müssen.
Auch wenn der beinahe perfekt war für ein Debüt, so weiß ich doch, dass Luft ist.
Luft nach oben. Vor allem weil auch in der Vorbereitung noch ein wenig mehr geht.
Eigentlich sollte der erste auch der letzte ernsthaft vorbereitete Halbmarathon sein.
Aber das wird es nicht.

2 Gedanken zu „Solitudelauf Gerlingen – Mein Halbmarathondebüt“

  1. Für den Zeitpunkt und das Debüt war das aber schon wirklich nahezu perfekt – was du dir aber auch entsprechend erarbeitet hast. Das Training scheint gestimmt zu haben und auf den Lauf selbst und die Strecke warst du hervorragend vorbereitet. Das zahlt sich aus. Glückwunsch!

  2. Das kann sich wirklich sehen. Glückwunsch.
    Mein Debüt war beim Dresden Marathon im Oktober 2007 auch sehr erfolgreich (01:27:46). Ein Jahr Vorbereitung und dann 5 Jahre immer wieder verletzt. Ich hoffe dir bleibt das erspart und du machst nicht dieselben Fehler wie ich.
    Viel Erfolg für die Zukunft.

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