Und das war dann mein #Rodgau50 2014

Das für 2014 die läuferischen Ziele feststehen und diese systematisch verfolgt werden habe ich hier ja bereits geschrieben. Das die 50km von Rodgau, serviert in 10 kleinen Runden á 5 Kilometern, zu Jahresanfang mit dem #Twitterlauftreff vorerst der einzige Ultra sein wird war klar. Nun ist der Lauf schon wieder seit beinahe einer Woche Geschichte…

Hannes hatte mich im Vorfeld gefragt, was meine Wunschzielzeit ist und ob ich ausreichend darauf trainiert hätte. Ganz ehrlich war die Antwort: „3:59 wären der Wahnsinn – das Training war so lala, hätte mehr sein können, 32km im Wettkampftempo im Dezember, nochmals 35km in 3:00 durch den Schwarzwald, das waren die intensivsten Einheiten.“ „Das ist machbar, du wirst halt am Ende leiden.“

Die ganze Woche davor der bange Blick auf die Wettervorhersagen – kommt die Kaltfront bis nach Rodgau? Wird es Niederschlag in Form von Regen oder Schnee geben? Die ganze Zeit schien es als sei der Samstag der Tag mit den besten Wetteraussichten – und so war es dann auch tatsächlich.

Freitag Abends noch alle Utensilien (zur Sicherheit vieles in doppelter Ausführung für einen ggf. notwendigen Wechsel) gepackt und Samstag morgens ab auf die Autobahn. In Rodgau schon das helle Verkehrschaos, Parken auf den ausgewiesenen Parkplätzen ist nicht mehr möglich, am besten irgendwo im Wohngebiet. Super. Ab zum Vereinsheim, Startnummer abholen und zum Start-/Zielbereich in das „nahe“ gelegene „Naherholungsgebiet“ gehen.

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Vor dem Start sehe ich noch kurz Hendrik von 42195blog. Wegen seiner Vorbereitung auf sein erstes Saisonhighlight 2014, den Nomadsrun ist er nur als Zuschauer da ist. Leider, ich hatte sehr darauf gehofft, dass er mich begleitet und mir hilft die richtige Pace zu gehen. Trotzdem vielen Dank für das Bild und das anfeuern an der Strecke.

Im Startblock versuche ich mich einzusortieren, hoffe, dass ich schnell einen Läufer finde an den ich mich hängen kann weil wir ähnliche Geschwindigkeiten laufen und sehe durch Zufall eine Mütze vom „GEMÜ“, einer Firma aus dem Kochertal, der Gegend in der ich arbeite und wohne und spreche den Träger darauf an. Ja, er komme eigentlich aus dem Kochertal… so treffe ich Georg Kunzfeld, mit dem ich die nächsten 18 Kilometer unterwegs bin. Ein sehr erfahrener Läufer der deutlich schneller und ambitioniertere Ziele für diesen Tag hat als ich.. das ist dann auch der Grund, warum sich unsere Wege nach den ersten, viel zu schnellen, aber trotzdem angenehmen Runden trennen.

Die restliche Zeit bin ich nie wirklich alleine weil immer und überall auch andere Läufer auf dem 5km-Kurs unterwegs sind aber eine wirkliche Begleitung mit der man gemeinsam ein Tempo hält, das habe ich nicht mehr.

Bei der Halbzeit nach 1 Stunde 55 Minuten schreibe ich meiner Freundin eine Nachricht, das es mir gut geht, aber viel schneller unterwegs bin als das es vernünftig wäre mich darüber freue , dass es bisher ganz gut läuft und das Wetter mitspielt.

Ab Kilometer 30 merke ich meinen Nacken- / Schulterbereich – ob es an der Anstrengung durch den Lauf liegt oder durch die kalte Luft einen Zug eingefangen habe vermag ich nicht zu sagen, aber angenehm ist es nicht. Stabitraining lässt grüßen.

Aus Respekt vor der noch vor mir liegenden Distanz und einer gewissen Unsicherheit ob es klug ist, ständig Läufer zu überholen und dabei zu überpacen werde ich in den folgenden Runden langsamer. Möglicherweise ein Fehler weil  auf diese Weise natürlich Zeit verloren geht und man mit diesem Vorgehen auch keinen Läufer findet, wird der die eigene Zeit läuft. Im Rückblick wäre wenigstens der Versuch nötig gewesen, sich an andere Läufer einer ähnlichen Leistungsklasse dranzuhängen , z.B. an die Starter von Spiridion, an Runningfreak Steffen Kohler oder Streakrunner Maximilian als diese mich in den letzten Runden überholten. Das sind aber Erfahrungen die man vermutlich erst über die Jahre und Läufe auf solchen Rundkursen sammelt.

Ich treffe manche Leute, die ich vorher nur aus dem Internet kannte. Leider oft nur für ein paar Sätze – wobei ich daran Schuld bin weil ich doch weiter „muss“. Gerd (DIRO) der als Guide mit Didi läuft sowie Schubath, den man an seinem Oberteil erkennt und der mit Ironchrissi läuft der mich erst gar nicht erkennt und deswegen kurz danach schnell mal einen Zwischensprint einlegt, sehr coole Aktion.

Es nähert sich Kilometer 37 und es beginnt die Suche auf den Mann mit dem Hammer – aber er ist nicht da. Kilometer 40 vollständig. Diese Runde langsam um dann in der letzten Runde nochmals alles zu geben… bei Kilometer 42,2 nochmals eine Nachricht, dass nun eine neue inoffizielle Marathon-Bestzeit steht (ca. 3:23). Der scharfe Wendepunkt schmerzt mittlerweile am meisten. Beim Start-/Zieldurchlauf in Runde 9 die Gewissheit, dass es mit einer Sub4 an diesem Tag nichts werden wird. Noch eine letzte Runde, kurz am Verpflegungsstand halten, den Weg entlang, am Wendepunkt den Helfern danken, am Waldrand vorbei, über die Wiese, in den Wald, auf den letzten Kilometer, Schlussspurt und ins Ziel. Kein Zielfotograf, keine Ansage, nichts. Ich bin eben keiner der Spitzenläufer, komme nur auf Platz 11 MHK, Platz 60 M Gesamt, Platz 63 aller Teilnehmer ins Ziel, nach 4 Stunden 3 Minuten und 31,4 Sekunden ist Rodgau 2014 für mich Geschichte.

Weil das Wetter es wirklich gut mit diesem Rodgau50 gemeint hat war auch die Kleidungswahl einfach und für Temperaturen leicht über 0 Grad perfekt: Lange Kompressionssocken von CEPs, kurze Hose von ProTouch, Unterhemd, kurzes Laufshirt und darüber das Merino Longsleeve von Icebreaker, ein Buff, Laufmütze und Handschuhe und meine geliebten Saucony Mirage.

In der Hütte trinke ich noch ein wenig, sammle ein wenig Kraft, schnappe meinen Rucksack und mache mich auf den längsten Weg des Tages: Zurück zur Sporthalle und zu den Duschen und nach einem Erbseneintopf, Kaffee und Kuchen noch zu meinem Auto, dass irgendwo in einem angrenzenden Wohngebiet steht.

Rnd Rnd-Zeit Zwi-Zeit
1 00:22:49,4 00:22:49,4
2 00:22:27,3 00:45:16,7
3 00:22:53,3 01:08:10,1
4 00:23:15,8 01:31:26,0
5 00:23:41,4 01:55:07,4
6 00:24:31,6 02:19:39,1
7 00:25:33,8 02:45:12,9
8 00:25:33,7 03:10:46,7
9 00:27:01,6 03:37:48,4
10 00:25:43,0 04:03:31,4

Die Enttäuschung, dass es mit der Sub4 nicht geklappt hat obwohl die Kraft vielleicht doch dagewesen wäre  (ein Blick auf die Ergebnissliste zeigt, dass 4,5 Minuten weniger 11 Platzierungen ausgemacht hätten) weicht dem Stolz, dass die Zeit für meinen ersten flachen Ultra angesichts viel zu weniger richtiger Vorbereitungsläufe überaus in Ordnung ist, ich außerhalb der Verpflegungsstation während des gesamten Laufs keinen einzigen Meter (!) gegangen bin und im großen und ganzen den Ultramarathon sehr genießen konnte.

Ganz tolle Leistungen erst recht natürlich  von den Spitzenläufern, allen voran dem supersympathischen Florian Neuschwander der den Lauf in Rodgau souverän mit Streckenrekord gewonnen hat – wenn er und die folgenden Spitzenläufer einen immer und immer wieder überrundeten, dann konnte man nur noch bewundert nicken, klatschen und anfeuern…

 

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